nur Eigengewebe zum Brustaufbau

Einführung:

Wenn Sie die Kapitel zu den Techniken mit Expander- Implantat und Implantat und Eigengewebe gelesen haben, dann werden Sie entdecken, daß es ein naheliegender Gedanke ist, möglichst nur Eigengewebe zur Rekonstruktion der Brust zu verwenden und auf die Hilfe von Silikonimplantaten ganz zu verzichten.

Es ist ein grundlegendes Prinzip in der plastisch-rekonstruktiven Chirurgie, möglichst ähnliches Gewebe zu nehmen, um einen entstandenen Defekt wiederherzustellen. Gleichzeitig darf durch die Entnahme des Eigengewebes möglichst nur ein vernachlässigbarer zusätzlicher Schaden an der Entnahmestelle gesetzt werden. Auch sollte die Technik sicher, reproduzierbar anwendbar und nicht zu aufwändig sein. Und natürlich spielt auch die technische Fähigkeit und Erfahrung des Operateurs eine große Rolle.

Was bedeutet dies konkret? Eigengewebe ist nicht gleich Eigengewebe!

Anforderungen an die Eigenschaften des Eigengewebsaufbaus:

Die weibliche Brust besteht aus Fett- und Drüsengewebe, die Haut der Brust ist sehr zart. Das Gewebe ist weich und je nach Größe der Brust und Alter der Patientin hat die Brust eine aufrechte oder mehr hängende Form. Ziel der Rekonstruktion sollte es immer sein, die Form der gesunden Gegenseite anzupassen oder, wenn es die Patientin wünscht, eine ihrem Wunsch entsprechende Form gestalten zu können. Das Eigengewebe sollte daher von seinen Gewebeeigenschaften in der Lage sein, diesen Wünschen der Patientin zu entsprechen und diese Wünsche nicht zu behindern.

Auch sollte der Operateur in der Lage sein, verschiedene Techniken des Eigengewebsaufbaus der Patientin anzubieten und nicht nur auf ein oder zwei wenige Techniken beschränkt sein. Dies hört sich selbstverständlicher an, als es ist. Denn die verschiedenen Techniken des Eigengewebsaufbaus unterscheiden sich in ihrem Schwierigkeitsgrad erheblich, so daß bei weitem nicht jeder Operateur alle Techniken beherrscht. Auch wenn Sie einen Operateur aus einem Brustzentrum haben, einen Operateur mit dem Qualitätssiegel "Brustoperateur" oder der Facharztbezeichnung "Gynäkologe" oder "plastischer Chirurg" bedeutet dies nicht automatisch, daß er Ihnen alle heutzutage zur Verfügung stehenden Techniken des Eigengewebsaufbaus anbieten kann. Sie müssen daher im Einzelfall Ihren Arzt fragen, welche Technik er Ihnen anbieten kann und welche für Sie in Frage kommen. Diese Internetseite soll dazu dienen, Ihnen Hilfestellungen für die Wahl der für Sie in Frage kommenden Möglichkeiten anzubieten.

Grundlegende Techniken des Eigengewebsaufbaus:

Eigengewebe bedeutet immer, daß das Gewebe zu 100% von Ihnen selber stammt, es ist Ihr eigenes Gewebe. Der Operateur kann sich an ganz unterschiedlichen Stellen des Körpers Gewebe ausborgen, um damit Ihre Brust zu rekonstruieren.Körperstellen, die in ihren Eigenschaften denen der Brust dabei am nächsten kommen, sind:
  • das Haut-Fettgewebe am Unterbauch (DIEP-, TRAM-, PUP-flap)
  • das Haut-Fettgewebe am Gesäß (S-GAP, I-GAP, FCI- flap)
  • das Haut- Fett- Muskelgewebe an der Oberschenkelinnenseite (Gracilis-Perforator-flap,TMG-flap)
  • das Haut-Fett- Muskelgewebe am Rücken (latissimus-Muskel-Lappen, TDAP-flap)
  • verschiedene seltenere Lokalisationen (seitlich der Brust z.B. ICAP-flap)
Die verschiedenen Formen der Eigengewebsrekonstruktion und ihre Abkürzungen werden in den Kapiteln Definitionen und Fragen genau beschrieben. Grundsätzlich bezeichnet man das Eigengewebe, das man verpflanzt, als "Lappen" oder englisch als "flap", beides nicht sehr schöne Begriffe, die sich aber durchgesetzt haben. Man kann einen Lappen dabei nicht einfach an einem Körperteil "abschneiden" und an die Brustwand wieder annähen, denn er würde absterben, da er nicht genügend Blut und damit Sauerstoff zum Überleben bekäme. Man muß also stets die Blutversorgung des verpflanzten Gewebes mit an die Brustwand bringen. Hierfür gibt es 2 verschiedene Techniken:
gestielt oder frei

Gestielt bedeutet dabei, daß das verpflanzte Gewebe an seinen Blutgefäßen wie an einem Stiel oder an einer Schnur hängen bleibt und darüber ernährt wird. Man kann sich leicht vorstellen, daß damit der Aktionsradius sehr eingeschränkt wird. Bisweilen verlaufen die Blutgefäße in Muskeln und versorgen über diesen Muskel die darüber liegende Haut und das Fettgewebe. Wenn man das Fett- Hautgewebe dann verpflanzen will, muß man den darunter liegenden Muskel mit an die Brustwand schwenken. Dies bedeutet, daß er an seiner ursprünglichen Stelle, wo der Muskel seine eigentliche Funktion hatte, nicht mehr zur Verfügung steht. Das muß nicht unbedingt von großem, wahrnehmbarem Schaden sein. Besispiele für solche gestielte Muskel- Haut- Fett- Lappen sind der gestielte Latissimus- Lappen und der gestielte TRAM- Lappen (siehe bei den entsprechenden Kapiteln, wie diese genau funktionieren). Der gestielte Latissimus-Lappen und der gestielte TRAM- Lappen sind die am häufigsten verwendeten Lappen zur Rekonstruktion der Brust. Sie sind relativ einfach zu präparieren und sicher in ihrem Resultat. Die meisten Gynäkologen und viele plastische Chirurgen verwenden sie standardmäßig zum Brustaufbau.
Eleganter als diese beiden Verfahren ist es, wenn man das Eigengewebe frei verpflanzt und die ernährenden Blutgefäße aus dem sie umgebenden Gewebe fein säuberlich herauspräpariert. Das ist eine aufwändige Technik, hat aber für die Patientin den Vorteil, daß sie nicht einen Muskel unnötigerweise opfern muß. Beispiele für diese Technik sind der freie DIEP- Lappen, der freie S-GAP- flap und der Gracilis-Perforator-Lappen. Was genau diese einzelnen Techniken voneinander unterscheidet können Sie unter dem Kapitel Fragen genau nachlesen.

Sie sehen, der Operateur hat eine Fülle von Möglichkeiten in der Hand, für Sie das passende Gewebe für Ihren Brustaufbau mit Eigengewebe zu finden. Je nachdem welche Ansprüche Sie haben, wie sicher das Verfahren sein soll, welche Fettgewebsverteilung Sie haben, welche Narben von voroperationen vorhanden sind, kann der Operateur die für Sie am besten geeignetste Lösung finden.

Bilder und Schemata, wie man sich die unterschiedlichen Lappen vorstellen muß, können Sie unter der Rubrik "Links" anschauen. In Deutschlands ist es leider nicht erlaubt, "Vorher-Nachher-Bilder" zu veröffentlichen, da die Ratsuchende dann verführt werden könnte zu glauben, daß das dargestellte Ergebnis auch bei ihr genauso eintreten wird. Im Englischsprachigen Raum darf man diese Bilder zeigen, daher müssen Sie auf diesen Seiten nachsehen, wenn Sie "Vorher-Nachher-Bilder" ansehen wollen, um sich eine gewisse Vorstellung von den erreichbaren Resultaten zu machen. Ich muß Sie jedoch darauf hinweisen, daß diese Bilder niemals das Ergebnis darstellen, wie es für Sie persönlich sein wird, denn jeder Mensch ist anders und daher kann man niemals das Ergebnis 1 zu 1 auf Sie übertragen.