Implantat und Eigengewebe

Einführung:

Implantate können in Kombination mit Eigengewebe eingesetzt werden. Die häufigste Kombination eines Implantates mit Eigengewebe ist ein Silikonimplantat zusammen mit Gewebe, welches vom Rücken als sog. "gestielter latissimus- Lappen" in die Brustregion eingeschwenkt wird. Warum macht man diese Kombination?

Wenn bei Ihnen die Brust mitsamt der Brusthaut entfernt werden mußte (oft als "Ablatio" bezeichnet oder als "MRM" = modifiziert radikale Mastektomie"), dann fehlt an der Brustwand Haut, um einen Brusthügel zu bilden. Diese fehlende Haut könnte man durch ein Aufdehnen der vorhandenen Haut schaffen (s. Expander- Implantat- Kapitel oben). Man kann sich die Haut aber auch von einer Stelle des Körpers borgen, wo sie in gewissem Sinne überschüssig ist und von wo sie relativ einfach in die Brustregion eingebracht werden kann. Hier bietet sich die Rückenhaut als Spenderregion für Eigengewebe an. In Höhe des BHs findet sich etwa in der Region des Schulterblattes bei jedem Menschen ein großer, flächiger Muskel, der sogenannte latissimus- Muskel. Obwohl sehr groß, ist er für die Funktion des Rückens entbehrlich, so daß man ihn, zusammen mit der darüber liegenden Haut, nach vorne schwenken kann und zum Volumenaufbau an der Brustwand durch Eigengewebe benutzen kann. Der Muskel hat eine gute Durchblutung, die für diese Operation nicht unterbrechen werden muß, die entstehende Wunde am Rücken läßt sich in der Regel gut verschließen, die Narbe durch den BH verdecken. Bisweilen reicht das Volumen des latissimus- Muskels jedoch nicht aus, um eine Symmetrie zur noch vorhandenen Brust der Gegenseite zu erzielen. Oft kann man eine Brustgröße von Cupgröße A-B erreichen, ein C- Cup ist meist nicht möglich. In diesem Fall kann unter den geschwenkten latissimus- Muskel ein Implantat gelegt werden, welches das Volumen auf die gewünschte Größe vergrößert.

Zusammenfassung:

Vorteil:

Es handelt sich um eine sehr bewährte, sichere und oft angewendete Technik zum Brustaufbau mit Eigengewebe und Implantat.

Allerdings hat es auch einige Nachteile:
  1. Die Patientin "opfert" einen Teil ihres eigenen Gewebes am Rücken und muß dennoch oft zusätzlich Fremdmaterial (Silikonimplantat) in Kauf nehmen mit all seinen Nachteilen (v.a. Kapselfibroserisiko).
  2. Die Haut des Rückens ist wesentlich dicker als die Brusthaut, so daß die eingeschwenkte Haut oft flickenartig gegenüber der Brusthaut aufträgt.
  3. Es kann zu einem Verrutschen oder zu einer schmerzhaften Verkapselung des Implantates unter dem Muskel kommen, oft beklagen die Frauen, daß sie Schmerzen oder ein Spannen in Richtung der Achselhöhle empfinden, auch wird manchmal über ein Kältegefühl des Implantates berichtet.
  4. Nicht wenige Frauen haben eine grundsätzliche Abneigung gegen die Vorstellung, ein Silikonimplantat in ihrem Körper zu haben und fragen: "Warum soll ich Eigengewebe opfern, wenn ich dann immer noch ein Silikonimplantat brauche? Gibt es keine Technik, nur mit Eigengewebe die Brust zu rekonstruieren und damit ganz auf ein Implantat zu verzichten?"