Expander- Implantat- Techniken

Einführung der verschiedenen Techniken:

Der Brustaufbau mittels eines Expanders (expandere= lat. aufdehnen) ist die einfachste Technik, eine Brust zu rekonstruieren. Der Operateur legt nach der Entfernung der Brustdrüse in derselben Operation einen Expander ein, der die Haut in den folgenden Wochen und Monaten aufdehnen soll, um so eine "Höhle" unter der Haut zu schaffen, in die in einer weiteren Operation dann in der Regel ein Implantat eingelegt wird.
Expander sind also immer Fremdmaterialien, deren Hülle aus Silikon besteht und die über ein Ventil mit Flüssigkeit (in der Regel physiologische Kochsalzlösung) befüllt werden.

Formen von Expandern:

Es gibt ganz unterschiedliche Formen von Expandern, die den individuellen Bedürfnissen der Patientin und ihren spezifischen anatomischen Gegebenheiten angepaßt sind.
a) runde Expander
b) anatomisch geformte Expander
c) Expander mit einem integrierten Silikonkern (Becker-Expander)
d) Expander mit integriertem Ventil in der Expanderhülle
e) Expander mit einem Ventil, das über einen Schlauch mit dem Expander verbunden ist

Zeitliche Abfolge des Aufdehnens des Expanders:

Der Expander wird in der Regel in derselben Operation eingesetzt, in der die Brustdrüse entfernt wurde. In dieser Operation befüllt der Operateur den Expander soweit, wie es die Haut von ihrer Spannung her verträgt. In der Regel wird dann in einem Abstand von etwa 1-2 Wochen der Expander mit physiologischer Kochsalzlösung von außen befüllt. Hierfür ist keine erneute Operation notwendig, sondern der Arzt kann mittels einer speziellen Nadel und einem Magnetfinder das Ventil unter der Haut aufsuchen und durch die Nadel durch die Haut die notwendige Menge an Kochsalzlösung in den Expander einbringen, die er pro Sitzung einfüllen möchte. In der Regel merkt die Patientin anhand einer gewissen Spannung der Haut, wann genügend Flüssigkeit zum Aufdehnen eingefüllt wurde.
Meist kann auf diese Weise pro Sitzung etwa 50ml eingefüllt werden. Je nach Größe der vorhandenen Brust der Gegenseite werden so in 5-10 Teilschritten bis zu 500ml Kochsalzlösung in den Expander gegeben. Da die Haut unterschiedlich dehnbar ist, kann man im Vorhinein nicht genau sagen, wieviel Flüssigkeit pro Befüllung eingefüllt werden kann. Das Ziel ist demnach nach einigen Wochen erreicht. Da die Haut immer eine gewisse Schrumpfungstendenz nach Entfernung des Expanders hat, sollte man den Expander mehr befüllen, als man hinterher an Volumen für das endgültige Implantat benötigt. Als Faustregel gilt hier: etwa 1/3 mehr Flüssigkeit einfüllen, als das spätere Implantat wiegen soll.
Wenn man mal in einer Sitzung zuviel Flüssigkeit eingefüllt hat, so kann man auch wieder durch das Ventil Flüssigkeit ablassen. Ähnliches gilt auch, wenn eine Bestrahlung der Thoraxwand geplant ist. In diesem Fall kann man je nach Hautreaktion die Flüssigkeit ablassen, bis die bestrahlte Haut nicht mehr gespannt ist.
Nachdem der Expander bis zu seiner gewünschten Größe befüllt wurde, was in der Regel einige Wochen dauert, sollte man etwa ein Viertel Jahr abwarten, um der Haut eine Chance zu geben, auf den Dehnungsreiz entsprechend zu reagieren.
Dann wird in einer 2. operation in Narkose der Expander gegen ein Implantat, das in der Regel aus Silikon besteht, ausgetauscht. Neue Narben entstehen dabei nicht, da man in der Regel über die vorhandenen Narben das Implantat einbringen kann.
Eine gewisse Besonderheit stellen die sog. Becker- Expander dar. Hierbei handelt es sich um Expander, die im Inneren einen Silikonkern aufweisen, um den herum man in einen 2. Raum innerhalb der Expanderhülle Kochsalzlösung zum Aufdehnen über ein Ventil einbringen kann. Der Vorteil dieses Expandertypen besteht darin, daß man normalerweise keine 2. Operation zum Austausch des Expanders gegen ein Silikonimplantat benötigt. Allerdings wird die endgültige Größe dieses Expanders durch die Menge an Kochsalzlösung bestimmt, die eingebracht wurde und die man durchaus durch die Haut als "gluckerndes" Wassergeräusch mnachmal hören kann.

Zusammenfassung:

Expander sind ein sehr nützliches Element beim Brustaufbau. Sie ermöglichen auf einfache Weise ein Dehnen der Haut. Hiermit kann durchaus ein ansprechendes Resultat erzielt werden. Auch können sie als Zwischenschritt vor einem Eigengewebsaufbau zum Dehnen der Haut eingesetzt werden. Als Nachteil muß man erwähnen, daß ein Expander immer ein Fremdmaterial aus einer Silikonhülle darstellt. Der Körper reagiert hier wie auch auf ein Silikonimplantat mit einer mehr oder weniger ausgeprägten Fremdkörperreaktion (sog. Kapselfibrose), welche zu einer schmerzhaften Verhärtung und Schrumpfung der Haut um den Expander führen kann.
Bei bestrahlter Haut kann man nur sehr eingeschränkt einen Expander zum Aufdehnen der Haut einsetzen, da die bestrahlte Haut nicht selten auf den Dehnungsreiz des Expanders empfindlich reagiert.