Patientinnenberichte

Die Patientinnenberichte auf dieser Seite stammen alle aus der Zeit, als ich in Vogtareuth tätig war. Damals bat ich die Patientinnen, die ich operiert hatte, doch mal aufzuschreiben, was ihnen alles an Gefühlen durch den Kopf gegangen ist. Ich ermunterte sie aufzuschreiben, warum sie sich für einen Brustaufbau entschieden hatten, wie es ihnen davor ging, ob das Ergebnis ihren Erwartungen entspricht. Ich bat sie, sich vorzustellen, was sie einer Frau sagen würden, die diese Entscheidung noch vor sich hat. Es sollte nicht darum gehen, mein Werk an ihnen zu loben, sondern sie sollten ehrlich aufschreiben, wie es ihnen ergangen ist. "Aber ich kann doch gar nicht mit einem Computer umgehen", "Ich kann mich nicht so gut ausdrücken", "Wo soll ich denn anfangen?", Wie lang soll denn der Bericht sein?" Diese und ähnliche Fragen bekam ich am Anfang oft zu hören und ich erklärte den Frauen, daß sie das Erlebte einfach mit ihren Worten niederschreiben sollen, egal, wie es sich anhört, egal, wieviele Tipp- oder Schreibfehler darin sein würden. Sie sollten selber bestimmen, wo sie ihren ganz persönlichen Bericht beginnen und enden lassen.

Herausgekommen ist eine ergreifende Berichtesammlung, voller Ängste, Hoffnungen, auch Freude über das Durchgestandene. Es ist weit mehr als eine "neue Brust" und ich bin sehr stolz, daß meine Patientinnen mir so ehrlich ihre Gefühle aufgeschrieben haben. Außer, daß ich die Berichte anonymisiert habe, habe ich nichts an ihnen verändert, denn sie sollten so Ihnen, die Sie diese Entscheidung noch vor sich haben, zugänglich gemacht werden in der Hoffnung, daß Sie dadurch eine Entscheidungshilfe für oder gegen einen Brustaufbau an die Hand bekommen.

Mit großer Dankbarkeit und tiefem Respekt gebe ich die Berichte hier an Sie weiter.

Dr. F. Busse

Bericht 1:

Als ich 2006 erfuhr, daß ich Brustkrebs habe und daß man mir die Brust abnehmen muß, brach meine Welt zusammen.

Ich hatte am Anfang kaum Zeit bekommen um zu überlegen was Gut und Richtig für mich war. (Was vielleicht auch gut so war)

Es gab nur einen Weg zum Überleben: Chemo, Brustabnahme und Bestrahlung.

In der Zeit zwischen den Chemo-Behandlungen habe ich mir Gedanken über den Wiederaufbau meiner Brust gemacht und den Weg dazu.

Was für mich von Anfang an nicht in Frage kam war ein Silicon Implantat.

Für mich ist die weibliche Brust weich und warm und Silicon ist nur ein „Kissen, ein Fremdkörper.

Meine neue Brust sollte wieder „meins sein“ so wie vorher, weich und warm, ohne Fremdkörper.

In meinem Leben habe ich immer wieder versucht darauf zu achten, auf alles was Unnatürlich ist zu verzichten, denn es tut meinem Körper und meiner Seele nicht gut.

Durch die Medikamente habe ich an Gewicht zugelegt, das sich unter anderem auch an meinem Bauch festgesetzt hat. Nach reiflichem Überlegen, sowie einigem Für und Wieder gab es für mich nur einen Weg des Brustaufbaus:

Mein Bauchgewebe!!!

Diese Art des Brustaufbaus ist zwar die Aufwändigste und Langwierigste, das heißt acht Stunden OP und ca. zwei Wochen Krankenhausaufenthalt.

Diese Zeit im Krankenhaus ist unbedingt nötig um sich einigermaßen zu stabilisieren.

Doch die Mühen und Strapazen für mich und die große Anstrengung des ganzen Ärzteteams haben sich gelohnt.

Als ich das erste Mal meine neue Brust sah und anfasste, wurde mir sehr bewusst, dass dieser schwere Weg genau der richtige für mich war.

Alles was sich seit 2006 angesammelt hatte in mir, die Trauer, die Wut, der Schmerz und die Hilflosigkeit keine vollständige Frau mehr zu sein, fiel mit einem mal von mir ab.

Denn diese Brust fühlt sich fantastisch an, fast genauso wie meine Gesunde, weich und warm!

Durch das beruhigende und sehr genaue Vorgespräch, das ich mit Dr Martin geführt habe, habe ich meine Ängste und Zweifel abgebaut und die für mich absolut richtige Entscheidung treffen können.

Das tolle Ergebnis dieser OP ist dem gesamten beteiligten Ärzteteam und Dr. Busse zu verdanken.

Vielen Dank an alle im Behandlungszentrum Vogtareuth!

Durch diese OP ist mein Leben als „vollständige“ Frau wieder lebenswert geworden.

Bericht 2:

OP Bericht Brustaufbau mit körpereigenem Bauchgewebe

Genau ein Jahr nach dem plötzlichen Tod meines Ehemannes wurde in meiner linken Brust ein Tumor entdeckt. Ich hatte es gerade geschafft, mein Leben so zu organisieren, dass es für mich und meine Kinder weiter gehen konnte.

Die Sono- und Mammographie zeigten den Tumor ganz deutlich. An der Diagnose gab es keinen Zweifel. Eine Stanze sollte noch weitere Klarheit bringen. Langsam wurde ich von den behandelnden Ärzten darauf vorbereitet, dass dieser Tumor mit ziemlicher Sicherheit entfernt werden müsste, und wahrscheinlich damit die Brust abgenommen würde.

Bis zu diesem Zeitpunkt war ich noch sehr gefasst, doch nachdem ich die Folgen der Diagnose begriffen hatte, wurde ich aktiv. Zuerst besorgte ich mir Literatur zum Thema Brustkrebs. Ich las in jeder freien Minute. Die Worte einer Ärztin hatten sich in meinen Ohren festgesetzt: „ So eine Brust ist ganz schnell entfernt, das ist wirklich keine große Sache.“

Aber es ging um meine Brust! Ich suchte Kontakt zu Frauen, die ebenfalls an Brustkrebs erkrankt waren. Immer mehr wurde mir klar, dass ich mir ein Leben mit nur einer Brust nicht vorstellen konnte. Die üblichen Methoden, mit denen man Brustersatz schaffen konnte, schienen mir allerdings keine befriedigende Dauerlösung zu sein.

Zufälligerweise erfuhr ich dann von einer Bekannten, die schon viele Jahre mit nur einer Brust lebte, dass sie sich zu einem so genannten Brustaufbau mit DIEP entschlossen hatte. Die Operation sollte im Behandlungszentrum Vogtareuth durchgeführt werden. Dazu würde aus dem eigenen Bauch Gewebe entnommen und dieses dann zum Aufbau einer neuen Brust verwertet. Das schien mir eine akzeptable Lösung zu sein. Ganz spontan organisierte ich ein Beratungsgespräch in Vogtareuth, um in Erfahrung zu bringen, ob diese OP auch für mich in Frage kommen könnte. Mein Gesprächspartner war Herr Dr. Busse, und er erklärte mir die Operation mit so einer Begeisterung, dass meine Entscheidung schon beim Verlassen der Klinik ziemlich fest stand.

Doch zuerst musste ich das Biopsieergebnis abwarten. Ich hatte Glück im Unglück. Die Stanze zeigte „nur“ Fibrom- und Vorstufengewebe, und somit konnte ich am 1. September zu meiner „großen OP“ antreten.

Ich fühlte mich wirklich gut vorbereitet. Mit Herrn Dr. Busse hatte ich nochmals ein sehr ausführliches Gespräch geführt und auch meine Bekannte hatte ihre Operation inzwischen erfolgreich hinter sich gebracht. Ich hatte ihre Bauchnarbe und die neue Brust bewundern dürfen. Zum ersten Mal in meinem Leben sah ich eine Brust ohne Brustwarze. Die ersten 3 Tage nach der OP wurden mir als recht schlimm beschrieben, doch dann würde es wieder recht schnell bergauf gehen. Das klang doch sehr ermutigend!

Am Tag vor meiner OP wurde ich in der Klinik von sehr netten Pflegern und Schwestern in Empfang genommen. Ein Assistenzarzt, der auch bei meinem Brustaufbau dabei sein würde, suchte mit Hilfe eines speziellen Gerätes meine Blutbahnen und kennzeichnete diese mit einem Stift auf meinem Körper. Ich hatte also eine echte Kriegsbemalung. In meinem Zimmer lernte ich eine Frau kennen, die ebenfalls den Brustaufbau hatte machen lassen, und auch sie machte mir Mut. Der Tag endete mit einem nicht sehr angenehmen Einlauf und einem Beruhigungsmedikament für die Nacht.

Vom Tag danach weiß ich nicht viel zu berichten. Ich hatte am Morgen gerade noch Zeit zum Waschen und schon ging es los Richtung OP. Dort sollte ich die nächsten Stunden schlafend verbringen. Wegen meiner kleinen Blutgefäße dauerte die Operation dann 11 Stunden, aber das wusste ich ja glücklicherweise zu diesem Zeitpunkt nicht.

Was ich beim Erwachen aus der Narkose allerdings sofort wahrnahm, war der Wunsch, bitte ganz schnell wieder schlafen zu dürfen. Noch nie ging es mir so elend!

Ich erwachte auf der Intensivstation. Ein junger Mann stellte sich mir vor und versprach, sich um mich zu kümmern. Ich hatte extrem starken Durst, durfte aber nichts trinken. Mir war es wahnsinnig heiß, aber keiner nahm die warme Luft weg, die mich anblies. Meine Füße waren fest gebunden und alles tat mir weh. Irgendein Gerät machte unangenehmen Lärm und hinderte mich am Weiterschlafen. Verschiedene Pfleger und Schwestern stellten sich mir vor, aber ich konnte mir in diesem Zustand keine Namen oder Gesichter merken. Allerdings tat es gut, dass ständig jemand da war. Ich bekam jetzt in kleinsten Mengen Flüssigkeit gereicht. Immer wieder wurde mir der geschwitzte Rücken mit einer erfrischenden Lotion eingerieben. Es war die längste Nacht meines Lebens. Doch irgendwann ging sie vorbei und ich wurde in mein Zimmer gefahren.

Ganz langsam fing ich hier an, das Geschehen um mich herum zu begreifen. Tatsächlich waren meine Füße am Fußteil des Bettes festgebunden. Abwechselnd drückte etwas an meinen rechten und dann an meinen linken Fuß. Auf meiner operierten linken Brust lag ein Kissenbezug, gefüllt mit warmer Luft. Diese kam aus einem lärmenden Heizgerät, welches neben meinem Bett stand. An meiner rechten Halsseite befand sich eine Kanüle. Ein Infusionsständer stand hinter meinem Bett. Mehrere Schläuche schauten aus der Bettdecke heraus und endeten in Plastikflaschen. Stündlich schaute jemand nach mir und meinem „Lappen“. So hieß hier nämlich meine neue Brust. Immer wieder wurde mir mein Rücken eingerieben, was auch sehr gut tat, denn es war unerträglich heiß. Es war mir unmöglich, mich zu bewegen und noch nie zuvor war ich mir so hilflos vorgekommen. Der erste Tag endete mit einem Besuch von Herrn Dr. Busse, der mich mit den Worten „ jetzt sind sie aber platt“ begrüßte und ich nur dachte, dass man passender meinen Zustand nicht beschreiben konnte.

Die folgende Nacht war nicht wirklich erholsam. Zum ersten Mal dachte ich darüber nach, ob der Brustaufbau wirklich eine gute Entscheidung war. Hätte ich „ nur“ meine Brust entfernen lassen, und auf den Aufbau verzichtet, ginge es mir jetzt sicherlich nicht so schlecht. Wie hatte diese Ärztin sich noch ausgedrückt? Keine große Sache!!! Na ja, jetzt war es zu spät.

Am nächsten Morgen wurde eine Leidensgefährtin mit ihrem Bett in mein Zimmer gefahren. Auch sie hatte den Brustaufbau machen lassen und war in ähnlich mieser Verfassung wie ich. Nun bliesen zwei lärmende Heizgeräte warme Luft ins Zimmer. Und draußen war wunderschönes Spätsommerwetter. Die Sonne schien ins Zimmer und es war viel zu heiß. Bei mir entstand langsam ein unwohles Gefühl in der Magengegend und ich musste mich mehrmals an diesem Tag übergeben. Wieder dieses Gefühl der Hilflosigkeit. Mehrmals mussten die Schwestern mein Bett neu beziehen. Am Abend war ich völlig erledigt. Von meiner Zimmernachbarin hatte ich bisher nur stöhnende Laute vernommen. Es schien auch ihr nicht gut zu gehen. Obwohl unsere Betten nebeneinander standen, konnten wir uns nicht sehen, weil wir uns ja einfach nicht bewegen konnten. Auch dieser Tag endete mit einem Besuch. Ein Mann mit kurzen, bunten Hosen stand an meinem Bett. Ich wusste aber nicht, warum. Erst am nächsten Tag erfuhr ich, dass der Assistenzarzt noch nach mir geschaut hatte, obwohl er schon Feierabend hatte und umgezogen war. Die netten Schwestern hatten sich Sorgen um mich gemacht. Langsam fing ich an zu begreifen, dass ich hier wirklich gut aufgehoben war.

Die nächste Nacht ist mir bis heute sehr gut in Erinnerung geblieben. Leider in keiner guten, denn es war die Nacht der Horrorvisionen. Die Nachwirkungen der Narkosemittel ließen in dieser Nacht mein Bett losfahren. Ich fuhr durch riesige Gänge und überall lauerten mir Monster auf. Ich stand unendliche Ängste aus. Selbst mein verstorbener Mann ist mir als Monster erschienen. In den frühen Morgenstunden registrierte ich dann endlich wieder, wo ich mich wirklich befand. Zum Glück war das die letzte schlimme Nacht in der Klinik.

Auch am nächsten Tag kämpfte ich weiter mit meiner Übelkeit, Unbeweglichkeit und Hilflosigkeit. Doch es gab trotzdem erste Lichtblicke. Lichtblick Nr.1 war eine schwungvolle Krankengymnastin, die mir dabei half, für einige Sekunden mein Bett zu verlassen und ich somit einen ersten kurzen, schwindeligen Blick auf meine Leidensgefährtin werfen konnte. Lichtblick Nr. 2 war ein Arzt Assistenzarzt, der mir durch die Verabreichung von Blutkonserven dazu verhalf, meinen elenden Zustand erheblich zu verbessern.

In der Nacht schlief ich sogar einige Stunden, was wirklich nicht einfach ist, wenn man nur auf dem Rücken liegen kann. Ich freute mich schon auf die Krankengymnastik und nahm mir fest vor, dieses Bett so schnell wie möglich zu verlassen.

Von da an ging es nur noch bergauf. Am kommenden Tag nahm man mir die Fußfesseln und das Heizgerät weg. Ich wurde nach und nach von der Kanüle, den Drainagen und dem Katheter befreit. Endlich fühlte ich mich auch in der Lage, Besuch zu empfangen. Bisher waren nur meine Kinder kurz bei mir gewesen. Obwohl ich sie gebeten hatte, Besucher in den ersten Tagen von mir fern zu halten, hatten sich zwei meiner Freunde nicht gedulden können und sind trotzdem vorzeitig erschienen. Mein Anblick hatte sie allerdings sehr schockiert. Ich muss genau so ausgeschaut haben, wie ich mich gefühlt habe! Recht besorgt haben sie mein Zimmer sehr schnell wieder verlassen. Besuch war viel zu anstrengend, doch das würde sich jetzt ändern. Dank der Krankengymnastik traute ich mich immer öfter aus dem Bett. Es war ein tolles Gefühl, mich endlich wieder alleine waschen zu können. Ein Highlight war das erste Frühstück zusammen mit meiner Zimmernachbarin, nachdem wir uns endlich im Bett aufsitzen, anschauen und unterhalten konnten. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an das tolle Pflegepersonal. Trotz meiner Hilflosigkeit in den ersten Tagen hatte ich nie das Gefühl, zur Last zu fallen. Ich habe viel Trost bekommen und bin immer wieder ermutigt worden, nicht aufzugeben. Wir hatten sogar viel Spaß miteinander, auch wenn so mancher sich das in dieser Situation kaum vorstellen kann. Obwohl das Lachen wegen der Bauchnarbe wirklich weh tat, hatte es große Wirkung auf mein Gemüt. Beim Stichwort Gemüt fällt mir ein, dass ich mich unbedingt noch bei dem Assistenzarzt bedanken muss, der mir nach viel zu viel Tee und Zwieback zu meinem ersten Kaffee nach der OP verholfen hat.

Natürlich bin ich Herrn Dr. Busse und seinem OP-Team sehr dankbar, dass sie diese OP überhaupt möglich gemacht haben. Ich bin immer noch fasziniert davon, dass ein „Stück Bauch“ zu meiner neuen Brust geworden ist. Auch heute, ein halbes Jahr nach der OP, habe ich meine Entscheidung nicht bereut. Mein Körper hat sich gut und erstaunlich schnell von den Strapazen erholt. Nach einem nur zehntägigem Aufenthalt in der Klinik hatte ich daheim noch 2 Tage lang die Unterstützung einer Freundin. Anschließend kam ich alleine gut zurecht, und bereits sechs Wochen nach der OP konnte ich wieder zur Arbeit gehen. Es dauerte eine Weile, bis ich den Bauchlappen als Brust akzeptieren konnte, doch inzwischen freue ich mich auf die Fertigstellung meiner neuen Brust im nächsten Monat. Ich bin froh, dass auch diese kleine OP in der bereits vertrauten Klinik in Vogtareuth stattfinden wird.

Zu meiner damaligen Zimmernachbarin hat sich ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt. Wir sind stolz auf das, was wir gemeinsam durch gestanden haben, und es tut immer noch gut, mit ihr über das Erlebte reden zu können.

Allen, die über einen Brustaufbau nachdenken, kann ich nur den Rat geben, sich zu der Entscheidung nicht drängen zu lassen. Nur wer sich wirklich selber zu diesem Schritt entscheidet, wird auch in der Lage sein, mit der OP und ihren Folgen zu Recht zu kommen. Auch wenn die ersten Tage nach der OP sehr hart sind, sollte man sich davon nicht abschrecken lassen. Was sind schon ein paar miese Tage im Vergleich zum Rest des Lebens?

Für mich war es auf jeden Fall die richtige Entscheidung. Auch die Tatsache, dass ich mich recht schnell zur OP entschieden habe, hat sich als richtig erwiesen. Bei der Histologie sind nämlich doch noch Krebszellen gefunden worden, der entfernte Lymphknoten war allerdings tumorfrei. Auf Grund der geringen Tumorgröße war keine Chemotherapie oder andere Behandlung notwendig. Das war doch wirklich Glück im Unglück!
Ich freue mich auf jeden Fall riesig darüber, dass ich als „ vollständige Frau“ der Badesaison im nächsten Sommer gelassen entgegen sehen kann. ( Smile!)

Bericht 3:

Im Wartezimmer der „Bruststation“ warte ich auf die Schlussbesprechung meiner Diep-Flap-Operation und freue mich, meinen behandelnden Arzt Dr. Busse gleich wieder zu sehen. Meine Tasche rutscht vom Stuhl und ich hebe sie vom Boden auf. Dabei kontrolliere ich gewohnheitsmäßig noch immer, ob man nicht in meinen Ausschnitt sehen kann. Ein Überbleibsel aus der Prothesenzeit. Mein neues schwarzes Kleid ist etwas tiefer ausgeschnitten. In ganz seltenen Fällen blitzt ein winziges Stück der Narbe - für andere so gut wie nicht wahrnehmbar - aus meinem BH hervor, heute jedoch sieht man nur schwarze Spitze. Aber selbst wenn: es macht mir heute nichts mehr aus, im Gegenteil! Ich hätte mir nie vorstellen können, über Narben jemals so glücklich zu sein. Der Grund für diese Narbe ermöglicht mir heute soviel mehr Lebensqualität!

Mein Blick schweift umher im eher klinisch nüchternen Wartezimmer. Viele Frauen sitzen hier, manche warten auf eine plastische Operation, sicher sind einige von ihnen Brustkrebspatientinnen.

So wie ich eine bin. Stopp: so wie ich im Jahr 2000 eine war!!! Ob ich wohl geheilt bin? …Heilung....Im medizinischen Sinn weiß ich es nicht. Aber seelisch fühle ich mich geheilt.

Meine Augen wandern an den Wänden umher und suchen das Plakat, das früher an der Stelle hing, wo heute eine grüne blühende Landschaft zu sehen ist. Vorher konnte man hier auf einem großen Poster eine nackte Frau mit einem prallen Busen bewundern. Ein Hochglanzmodel, nur mit einem hauchdünnen Schleier verhüllt, warb verführerisch und etwas frivol mit einem 75D-Cup für eine Brustvergrößerung.

Anlässlich meines ersten Besuches hier vor 2 Jahren machte sich bei diesem Anblick ein seltsames Kribbeln in meinem Bauch breit. Ob das immer noch Schmerz war? 6 Jahre nach meiner Brustamputation? Trauer über eine verlorene Brust? Erinnerung an eine Identitätskrise? Nein, ich glaube, damals war es der Unmut, dass ich mich mit dieser Frau verglich und denkbar schlecht abschnitt mit meiner amputierten Brust. Zudem erinnerte es mich an ein abschreckendes Erlebnis:

Im Vorfeld zur Operation suchte ich sorgfältig nach einer geeigneten Klinik für einen Brustaufbau. Angesichts der vielen schlechten oder mittelmäßigen OP-Ergebnisse, die ich bisher auf Bildern gesehen und der frustrierenden Erfahrungen, die ich mit manchen Kliniken und Ärzten gemacht hatte, war es war mir äußerst wichtig, meine eigenen Impulse, Gefühle und Eindrücke ernst zu nehmen. So besuchte und verglich ich viele Plastische Chirurgen, reiste quer durch Deutschland und bemühte mich, einen Arzt zu finden, zu dem ich innerlich aus vollem Herzen „ja“ sagen konnte. Ich wollte möglichst angstfrei in die Operation gehen und eines haben mich meine Erfahrungen gelehrt: das konnte ich nur, wenn die Rahmenbedingungen passten.

So kam ich im Rahmen der Suche nach der geeigneten Klinik eines Tages in eine schönheitschirurgische Praxis, in der ich mich bereits beim Betreten deplaziert fühlte. Ich passte hier eigentlich gar nicht her. Obwohl ich stets gut gekleidet war, kam ich mir vor wie Aschenputtel zu Besuch im Königsschloss. Alles war edel und stylisch, das Interieur, die Patienten (oder heißen sie hier Kunden?), die Arzthelferinnen, ja selbst die Toiletten. Ich hatte noch nie vorher eine derartige Praxis gesehen.

Im exklusiven Wartebereich wurde ein „Vorher-Nachher“-Film gezeigt. Was konnte man alles operieren! Es fing bei den Augenlidern an und ging bis zu den Füßen millimeterweise weiter. Ich traute meinen Augen nicht. Ich konnte kaum einen Unterschied zu „Nachher“ erkennen. Das konnte ich nicht glauben. Dafür nahmen die Frauen eine Operation in Kauf? Jetzt beschlich mich ein mulmiges Gefühl. Was dort als „Vorher“ gezeigt wurde und als operationswürdig eingestuft wurde, war für mich schon wunderschön. Was sollte ich denn da sagen? Ich wünschte, ich wäre wenigstens schon in diesem „Vorher-Zustand“! Ich kam mir vor wie ein hässliches Entlein. Ich hatte beim Anblick der Bilder den Eindruck, mich selbst so wie ich schon vor der Brust-OP ausgesehen hatte, gar nicht gut finden dürfte. In Anbetracht dieser Bilder fühlte ich mich zunehmend eigentümlicher: brustamputiert, seelisch schwer getroffen durch den massiven Eingriff, wohlwissend, dass ich solchen Idealen nie mehr würde entsprechen können. Und ich erlaubte mir dennoch, schon mit geringen Verbesserungen zufrieden zu sein? Das war doch irgendwie verdreht. Brauchte man erst so eine ernüchternde Erfahrung, um mit weniger zufrieden zu sein?

Warum lässt sich jemand z.B. seine hübsche kleine Nasenspitze lediglich wenige Millimeter heben, nur um wie Claudia Schiffer auszusehen? Der Arzt im schicken dunkelblauen Zweireiher holte zwei hübsche junge Mädchen ab. Sie wirkten attraktiv: schlank, straff und wohlproportioniert. Warum wollten sie sich wohl unter das Messer des Chirurgen legen? Ob sie sich über die Risiken im Klaren waren?

Als mich der Arzt später begrüßte, fiel mir auf, dass er plötzlich einen weißen Kittel trug. Ob man die Patientinnen, die nur eine „Kleinigkeit“ machen lassen wollten, besser im schicken Anzug begrüßte, um sie nicht daran zu erinnern, dass hier eigentlich etwas Großes passieren würde? Durch den Anzug wirkte das Ganze fast wie ein Besuch beim Kosmetik-Institut und verharmloste vermutlich eher die Risiken.

Als er mich fragte, was mich denn zu ihm geführt hätte, witzelte ich: “Angesichts der Bilder im Wartezimmer sollte ich wohl besser eine Ganzkörper-Operation vornehmen lassen! Gekommen war ich eigentlich nur für eine Information zum Brustaufbau“ Sein abweisendes Gesicht zeigte mir, dass er meinen Humor an dieser Stelle nicht teilen wollte.

Nein, hier fühlte ich mich nicht wohl. Ich kam mir vor wie ein Statist in einer Soap. Zu unnahbar war und merkwürdig fand ich das Umfeld.

Nun werde ich auch hier in Vogtareuth wieder mit einem solchen Plakat konfrontiert! Wie gedankenlos geht man an verschiedenen Stellen mit den Gefühlen von Brustkrebspatientinnen um. Den schmerzhaften Vergleich, den man in Anbetracht dieser Perfektion zwangsläufig anstellte in meiner Situation, könnte man Frauen in einer solchen Klinik doch wirklich ersparen. Ich war eigentlich schon mit weniger zufrieden. Ich wollte einfach nur wieder eine Brust, wohl wissend, dass diese Perfektion auf keinen Fall erreichbar wäre.

Wie gut, dass der Rahmen, den die Klinik in Vogtareuth ansonsten bot, mir von Anfang an ein gutes Gefühl gab und so blieb ich. Spätestens, als ich dem Arzt die Hand schüttelte, fühlte ich mich gut aufgehoben. Schon nach kurzer Zeit wusste ich: hier und sonst nirgends würde ich mich operieren lassen. Er strahlte medizinische Kompetenz, Herzlichkeit und Ehrlichkeit aus. Mein Vertrauen weckte er, als er mir Fotos von besonders gelungenen, aber auch weniger schönen Operationsergebnissen zeigte; insgesamt wirkte er gerade dadurch sehr seriös und realistisch auf mich, weil er mir „mittlere“ Ergebnisse in Aussicht stellte. Es könne besser, es könne schlechter werden, es gäbe viele Einflussfaktoren. Das überzeugte mich, ich wollte nicht nur Hochglanz sehen, aber trotzdem das Gefühl haben, was kann der Arzt und wie schön kann es im besten Fall werden. Zudem war vor allem neben dem Arzt auch noch der Mensch in ihm zu spüren und wir lachten viel. Eine Kombination, die mich überzeugt hatte. Zu Recht, wie sich im Nachhinein herausstellte.

Ich kam auf diese Weise leicht über die vielen kompromittierenden Situationen hinweg, die sich von Anfang an dort boten: ich, die ehemals sehr körperbewusst und eitel war, sollte mich wieder einmal mit meinem „lädierten“ Körper vor einem Arzt ausziehen, der sich tagtäglich mit Idealen beschäftigt. Ideale, die auch für mich früher sehr wichtig waren. Was mochte er von meinem Körper denken? Wieder einmal sollten Fotos gemacht werden, zu gut kannte ich das schon. Die schreckliche Fotos bei jedem Besuch eines neuen Schönheitschirurgen brachten mich immer wieder in die eiskalte Realität zurück. Ich hatte gelernt, meine Narbe allmählich liebevoll einzucremen und gut zu versorgen, dennoch wollte ich sie zuhause vor dem Spiegel am liebsten nur bei gedämpftem Licht betrachten. Wie unschön war die Stelle, an der sich früher eine schöne Brust befand. Im Neonlicht fotografiert, konnte nichts darüber hinwegtäuschen, dass diese Narbe nicht nur da, sondern aufgrund eines schlechten OP-Schnittes auch noch hässlich war.

Er gab mir keine Gelegenheit, mich schlecht zu fühlen. Wir scherzten und redeten fast von „Frau zu Frau“. Er schien meine Gefühle zu ahnen und half mir mit seiner leichten unbeschwerten, aber sehr einfühlsamen und kompetenten Art. An den richtigen Stellen wirkte er ernsthaft und überlegt, an heiklen Stellen herzlich und verständnisvoll, ich war begeistert.

Während ich mich heute daran zurückerinnere, schaue ich meinen Partner an, der neben mir sitzt. Er schaut mich an. Zärtlich drückt er meine Hand. Er, den ich erst als brustamputierte Frau kennen gelernt hatte, hat sich gerade ebenfalls erinnert, wie lange mich beim ersten Mal das Plakat des schönen Busens im Nachhinein noch beschäftigt hatte. Schwierige Zeiten haben wir in den letzten Jahren gemeinsam durchgestanden. Er weiß, wie schlimm anfänglich meine Ängste waren, mich ihm ohne Brust zu zeigen. Leise flüstert er mir jetzt ins Ohr: „Du bist die Frau, die ich liebe und „unser“ Busen ist wunderschön!“ Vielleicht dachte er, ich würde mich noch einmal in Frage stellen? Ich war weit davon entfernt! Entspannt grinse ich ihn an: das weiß ich doch längst! Aber es tut gut, es immer wieder mal zu hören.

Mein Partner hat mich bei allen Operationen begleitet und unterstützt. Die neue Brust erblickte er bereits aufgeregt unmittelbar nach der Operation auf der Intensivstation. Es war fast wie nach einer Geburt. Schien er anfänglich wie ein Vater, der sein neugeborenes Baby glücklich bestaunte und eine ganz spezielle Beziehung dazu entwickelte, haben sich zu den „väterlichen Gefühlen“ auch lustvolle gesellt, wenn er mich berührte. Das gab mir von Anfang an ein herrlich sinnliches, weibliches Gefühl.

Viel habe ich gelernt in diesen letzten Jahren Ich hätte mir nie im Leben vorstellen können, wie viele unterschiedliche Gefühle mit einer Brust und ihrem Verlust verbunden sind.

Bereits beim ersten Gespräch mit Dr. Busse war mir klar, dass die Klinik mit diesem Plakat sicher nur für ihre chirurgische Kunstfertigkeit in der Plastischen Werbung machen möchte. Und die ist hier wirklich gegeben, das muss ich sagen.

Ich hatte ihm später im Lauf eines Klinikaufenthaltes erklärt, wie ich das Plakat hier an diesem Ort empfand und erneut bestätigte sich wie so oft, dass er sich nicht für einen „Halbgott in Weiß“ hielt. Er hörte zu, nahm mich ernst und versprach später, das an die richtige Stelle weiterzugeben.

Ich komme ins Nachdenken. Die nächsten Minuten werde ich Zeit dafür haben, bis ich an die Reihe komme. Was liegt alles zwischen der schlimmsten Zeit meines Lebens und heute. Wie viel Tränen, Sorgen, Frust und Schmerzen, Trauer und Abschiedsgefühle, Angst vor dem Sterben, Angst, als Frau nicht mehr zu genügen. Nicht mehr schön und sexy genug zu sein. Aber auch soviel Glück, Intensität, Tiefe, Liebe und Vertrauen. Eine völlig veränderte Haltung zum Frausein, zu Schönheit, Selbstliebe und innerer Stärke. Ein grenzenloses Staunen über das Leben, über ungeahnte Geschenke, Freude über viele glückliche, bezaubernde und ergreifende Momente! Erfüllung durch die große Liebe, die mir mit 43 Jahren begegnet ist. Ein Mann, der mehr als mein Äußeres liebt und damit einen unerwarteten Prozess auslöste. Heute weiß ich, es brauchte diesen tiefen, schmerzhaften Einschnitt, um mich zu finden. Um erlöst zu werden vom Schönheitswahn. Von Oberflächlichkeiten. Von Außenbestätigung. Um die Liebe zu mir nach und nach zu entdecken. Um herauszufinden, ob ich mehr als die Summe meiner Körperteile bin. Dass sich Frausein und Sinnlichkeit nicht allein über einen schönen Körper definiert. Reste meiner Ängste, nicht zu genügen, spüre ich noch an manchen Tagen. Aber ich weiß jetzt, woher sie kommen und dass sie wichtige Wegweiser für mich waren und sind. Ich habe gelernt, sie wieder zum Verschwinden zu bringen, wenn mir der „Vergleich“ mit anderen wieder mal das Leben schwer machte. Es nützte nichts, sie zu bekämpfen. Ich musste auch diese schmerzhaften Gefühle in mein Leben integrieren, es ging um die Heilung des Selbstwertes. Ängste waren wertvolle Begleiter auf meiner Reise zu mir selbst. Auch beim Umgang mit dem Älterwerden haben sie mir nützliche Dienste erwiesen und ich bin dankbar, dass mein Körper mir auf seine Weise zu verstehen gegeben hat, welche Richtung ich einschlagen soll. Und mich damit von allem zu befreien, was mich einengte und an meinem Selbstwertgefühl nagte. Dennoch: die neue Brust war ein ganz wichtiger Baustein dazu! Ich kann nicht beurteilen, wie ich es sonst geschafft hätte.

Das ist meine ganz persönliche Geschichte. Manche frustrierende Erlebnisse mit Männern hätte ich mir sicher erspart, wenn ich mich früher diese Operation unterzogen hätte. Aber: ohne die fehlende Brust hätte ich vieles nicht verstanden. Erst durch diese Lernerfahrung erkannte ich, welcher Mann wirklich mich meint. Erst durch diese Operation konnte ich wieder freier mit meinem Körper umgehen. Erst durch diesen Prozess konnte ich innerlich ja sagen zu einer neuen Brust. Sie stand am Ende einer langen Reise: sie half mir dabei, mich wieder attraktiver zu fühlen. Heute kann ich mich trotz der Blicke anderer Frauen unbeschwert im Schwimmbad oder am Strand ausziehen. Ich bin glücklich. Wenn ich in den Spiegel sehe, juble ich meiner Brust zu. Ich liebe sie!

Ich fühle mich als Vollblutweib!

Während ich hier warte, lasse ich noch einmal Revue passieren, was hinter mir liegt. Vergessen sind die Schrecken dieser Zeit: die lange Operation, von der ich wusste, dass eine von zwanzig Frauen sie vergeblich machen lässt, weil die Brust danach ungenügend durchblutet ist und wieder abstirbt, alle damit verbundenen Beschwernisse.

Ich erinnere mich noch gut zurück, wie alles begann:

Die Entscheidung zwischen den einzelnen Operationsformen fühlte sich an wie die Wahl zwischen Pest und Cholera. Ich war unsicher. Bei der Methode mit dem Rückenmuskel hatte man mich in der Reha davor gewarnt, dass Operationen am Rückenmuskel immer Funktionseinschränkungen mit sich bringen könnten. Um dies zu untermauern, zeigte man dort auch abschreckende Fotos. Nicht alle Fachleute waren dieser Meinung und plädierten dafür. Vom Diep-Flap rieten viele Ärzte ab, obwohl diese Methode das für mich erstrebenswerteste Endergebnis aufwies. Hätte ich doch bei Erfolg eine natürliche Brust und müsste nie wieder „unters Messer. Andererseits waren die Risiken für eine schlechte Durchblutung größer, zumal meine Narbe sehr starke Einbußen durch die Bestrahlungen erwarten ließ.

Die neue „Bauchbrust“ würde von einem einzigen Blutgefäß gespeist, das der Arzt vom Herzen dahinführen und neu verbinden müsste, was extrem diffizile Millimeter-Arbeit zu sein schien. Als größtes Risiko war hierbei der Umstand, dass das Gewebe aufgrund mangelnder Durchblutung schwarz werden und absterben könnte. Dann hätte ich die hochkomplizierte, aufwändige und lange Operation (8 – 9 Stunden und Folgeoperationen zum Angleich der anderen Seite, Aufbau der Brustwarze etc...) umsonst gemacht und müsste die Brust wieder abnehmen lassen

Ich traf einen Arzt im Süden Deutschlands, der mir die Rückenmuskel-Methode als die für mich am besten geeignete vorstellte (im Nachhinein stellte sich bei meinem näheren Nachfragen heraus, dass er die andere Methode noch nie vorgenommen hatte und die Klinik sich erst demnächst einen Spezialisten „zukaufen“ würden, der dann diese Operationen durchführt). Er beschrieb jedoch seine Methode mit leuchtenden Farben, so dass ich fast geneigt war, mich hier operieren zu lassen. Im Anschluss an das Gespräch fragte er mich stolz, ob ich ein „gelungenes OP-Ergebnis“ sehen wolle, er habe eine Patientin auf Station, die er vor 8 Tagen operiert habe. Sie sei bereit, ihre neue Brust vorzuführen. Natürlich interessierte mich das. Die Frau in meinem Alter betrat lachend das Zimmer und war sichtbar glücklich über ihre neue Brust. Ich freute mich sehr für sie, war aber geschockt. Sie trug ein T-Shirt und schon beim Hereinkommen konnte man deutlich sehen, dass die operierte Brust viel höher lag und praller wirkte als die natürliche. Ich sagte nichts, um die Gefühle der Frau nicht zu verletzen, war aber gespannt, ob sie sich ausziehen würde. Begeistert zog sie prompt ihr T-Shirt aus und zeigte stolz ihren Busen. Die Silikonbrust war wie die eines 20jährigen Busenwunders, die andere Seite war stark der Schwerkraft unterworfen, kleiner und auch von der Form völlig unterschiedlich. Ich konnte nicht fassen, warum Arzt und Patientin mit diesem Ergebnis so glücklich waren. Es fiel mir schwer, meine Enttäuschung zu verbergen, aber ich hatte es geschafft, mich zurückzuhalten, bis die Patientin wieder gegangen war. Entgeistert fragte ich den Arzt: „Bleibt das so? Die Seiten sind ja total unterschiedlich!“ und nun hatte ich ihn wohl in seiner Berufsehre gekränkt. Beleidigt erwiderte er spitz, dass die zweite Seite bereits angeglichen sei und wenn ich „solche Perfektion“ erwarte, solle ich es lieber sein lassen, denn das könne man bei einem Brustaufbau nicht erwarten.

Dies war bereits der vierte Arzt, den ich besucht hatte und langsam dachte ich ans Aufgeben. Ich hatte bereits an meinem Heimatort einen in der engeren Auswahl. Von ihm wollte ich nun mich voraussichtlich operieren lassen, denn der erschien mir noch am ehesten für mich passend. Hundertprozentig überzeugt war ich nicht. Ein letzter Arztbesuch stand noch aus. Vogtareuth wurde im Zusammenhang mit guten Brustoperationen immer wieder genannt, also stand diese Klinik noch auf meiner To-Do-Liste. Für einen letzten Termin brachte ich noch Zeit, Geld und Energie auf, danach wollte ich mich festlegen.

Ich traf Dr. Busse und vom ersten Moment an wusste ich, dieser Arzt sollte mich operieren. Neben der schon beschriebenen Fachkompetenz und Menschlichkeit wirkte er auf mich wie ein großer Bruder, der das Beste für mich wollte. Er reagierte, auch das hatte ich meist anders erlebt, mit Verständnis auf meine Frage, wie oft er die Operation schon durchgeführt hatte und seine Antworten überzeugten mich. Ich sollte alle Risiken kennen und dann selbst entscheiden, aber er half mir bei der Entscheidung durch seine vertrauenswürdige Art. Und ich entschied mich noch an Ort und Stelle für den Termin. Ich wusste, eine große Herausforderung würde mich erwarten. Die erste OP würde ca. 8- 9 Stunden dauern, die 2. OP weitere 1,5 – 3 Stunden. Evtl. stünde dann noch eine dritte OP an, das könnte man erst nach der 2. entscheiden. Mein Bauch signalisierte dennoch umgehend ein lautes und deutliches „JA“! Ich spürte: hier würde es gelingen. Und ich hatte plötzlich die innere Sicherheit: ich würde zu den 19 Frauen gehören, bei denen es gut geht. Ich hatte plötzlich ein so starkes Gefühl, dass es richtig ist, wie ich hier entscheide, und schlagartig waren alle Zweifel wie weggeflogen.

Als ich meinem Partner berichtete, was bei der Operation genau gemacht werden sollte und ich begann, die Details zu erzählen („und während der eine Arzt unten den Bauch aufschneidet und dort die Blutversorgung abklemmt, öffnet der andere oben die Narbe, sägt den Brustkorb etwas an, damit man an die Blutgefäße vom Herzen herankommt und fängt schon einmal an, den oberen Teil vorzubereiten. Zwischendrin richten sie mich dann mal mitsamt dem Tisch auf, während ich in Narkose bin - ich werde an den Handgelenken am OP-Tisch festgebunden -, um zu sehen, ob die Brustgrößen zueinander passen und...“), wurde er blass und bat mich, doch lieber auf die OP zu verzichten. Aber das war für mich bereits entschieden. Ich entschloss mich, lieber nicht alle Details zu erzählen. Vielleicht war es besser, wenn er nicht alles so genau wusste. Ich fand es selbst ein wenig schaurig, aber in mir war viel Kraft und Mut Ich war mir sicher, ich würde alles schaffen. Ich hielt den Arzt für sehr kompetent und er hatte mir versprochen, sein Bestes zu geben, damit die OP gelänge. Mittlerweile war meine innere Sicherheit gewachsen. Ich glaubte an meine eigenen Kräfte, an den Arzt und fühlte eine große innere Sicherheit, meiner Intuition vertrauen zu können. Der Krankheitsprozess, das spürte ich nun, war eigentlich ein Gesundungsprozess. Ich lernte allmählich, mich nicht mehr von anderen leiten zu lassen, sondern mehr und mehr auf mich selbst zu vertrauen.

Es war aufregend. Nun standen also die letzten Wochen mit nur einer Brust bevor. Ich konnte es kaum noch erwarten und habe mich richtiggehend darauf „gefreut“. Stundenlang sah ich mich nun in der Stadt ausschließlich in den Wäscheabteilungen um. Kaufen konnte ich ja noch nichts, schließlich wusste ich nicht, welche Größe mein neuer Busen haben würde (und ein wenig abergläubisch war ich auch. Erst sollte alles gut gehen, dann würde ich mir etwas kaufen). Aber allein die Vorstellung, diese übergroße Trauer loslassen zu können, wenn ich bisher die Spitzen-BHs ansah und mit bitterer Sicherheit wusste, dass ich so etwas nicht mehr tragen könnte, und nun würde das alles anders werden, erfüllte mich mit unglaublicher Vorfreude. Erst jetzt merkte ich, wie traurig ich darüber gewesen bin in den letzten Jahren. Ich hatte mich nicht mehr als „richtige“ Frau gefühlt. Mit meinen Prothesen-BHs fühlte ich mich verunstaltet und eingeschränkt.

Wie froh war ich, bald nicht mehr ins Sanitätshaus gehen zu müssen, zusammen mit den betagten Frauen, die dort ihre Gehwägen, Miedermaßanfertigungen und andere Dinge holten, die mich an Alter und Gebrechlichkeit erinnerten. Als ich meiner Stammverkäuferin beim letzten Badeanzugeinkauf erzählte, dass ich bald nicht mehr kommen werde, weil ich in Kürze wieder eine Brust haben werde, hoffte ich, sie würde sich mit mir freuen, hatte sie doch auch meine Unzufriedenheit, die oft bei der Anprobe der damals noch nicht so attraktiven, dafür funktionalen BH-Modelle aufkam, miterlebt. Aber sie meinte stattdessen erschrocken: „Ach je, lassen Sie das lieber. Ich habe noch kein einziges, vernünftiges OP-Ergebnis von einem Brustaufbau gesehen. Meistens kommen die Frauen danach doch alle wieder und dann wird es noch schwieriger, eine passende Teilprothese zu finden, wenn etwas schief gegangen ist und die Brust noch mehr verunstaltet ist“. Nun war ich einige Tage völlig erschüttert. Sollte ich es doch lassen? Vielleicht war es eine dumme Entscheidung? Ich beriet mich mit anderen. Eine Freundin sagte dann den erlösenden Satz: „Ins Sanitätshaus kommen doch nur die Frauen, bei denen es schief gegangen ist. Die Frauen mit gelungenen Brüsten brauchen ja keine Prothese mehr!“ Stimmt! Daran hatte ich gar nicht gedacht. Und beschloss, mich jetzt nicht mehr irritieren oder abbringen zu lassen. Ich hatte mich entschieden und dabei sollte es jetzt bleiben. Basta!

Endlich war es soweit. Einige aufgeregte Vorbereitungswochen lagen bereits hinter mir. Bereits zweimal war ich schon in Vogtareuth, um Eigenblut zu spenden. Falls ich bei der OP recht großen Blutverlust hätte, könnte man mir dann mein eigenes Blut als Konserve verabreichen. Diese Vorstellung allein war schon beängstigend. Nach dem Gespräch mit dem Anästhesisten dort war ich noch aufgeregter. Zwei Jahre zuvor hatte ich eine Thrombose mit anschließender Lungenembolie. Als ich bei der Prüfung der Durchblutung die Lungenembolie erwähnte, war der Anästhesist besonders aufmerksam und sprach von einem gewissen Risikofaktor. Doch das war mir vorher schon bewusst. Er gab mir jedoch das Gefühl, dass sie mich gut überwachen würden während der Operation und so vertraute ich darauf, in guten Händen zu sein. Angst wäre sicher kein guter Berater.

Ich erlebte in der Klinik nur Gutes, angefangen bei der Aufnahme bis hin zur OP und Nachbetreuung. Ich hatte mir nach dem bisher Erlebten nicht vorstellen können, dass meine „Wunschvorstellungen“ bezgl. Fürsorge in Verbindung mit medizinischer Kompetenz und Menschlichkeit jemals in einem Krankenhaus erfüllt werden könnten. Aber genau das ist passiert. Ich wurde aufmerksamst betreut und liebevoll versorgt. Die Schrecken des Brustaufbaus waren dank der hervorragenden Pflege gut zu ertragen.

Es war beileibe kein Zuckerschlecken. Das Einzeichnen am Vortag der OP war sehr aufregend. Ich fühlte mich zeitweise wie ein Stück Stoff, auf dem Abnäher und anderes mit einem Stift gekennzeichnet wurden. Aber Dr. Busse beriet mich wunderbar, holte sich immer wieder meine Zustimmung ab und wickelte den ganzen Vorgang mit viel Humor ab. So wurde es leicht für mich. Immer wieder lachten wir gemeinsam. Ich staunte, welche speziellen Lineale, Gerätschaften und Werkzeuge es gibt, um hier Markierungen vorzunehmen und abzumessen. Toll!

Ab sofort sollte ich gut acht geben, dass die Linien nicht mehr verwischt würden, damit die 3 oder 4 operierenden Ärzte am nächsten Tag wüssten, wo sie das Messer ansetzen müssten. Das Verwunderlichste für mich war, dass ich am Vorabend nach dem letzten Gespräch mit Dr. Busse völlig ruhig und ohne jegliche Angst war, obwohl die letzten Wochen vor der OP von zunehmender Nervosität gekennzeichnet waren.

Dr. Busse war am Vorabend der OP, der zudem ein Sonntag war, eigens von zuhause 16 km ins Krankenhaus gefahren, um sich noch einmal mit mir zu besprechen und alles einzuzeichnen. Das gab mir ein sehr gutes Gefühl. Ich wusste, hier würde alles getan, was menschenmöglich ist, um die Operation zu einem Erfolg werden zu lassen. Dr. Busse erzählte mir, als wir uns über Gott und die Welt unterhielten, dass er vielleicht noch einen Film ansehen werde abends, damit er schön entspannt sei am nächsten Tag. Wir lachten beide herzlich, als er mir den Titel sagte: „Wer früher stirbt, ist länger tot!“ „Na, das ist ja ein sehr passender Titel am Vorabend meiner OP, wenn das mal gut geht...“ feixte ich mit ihm herum. Und der Galgenhumor half. Er guckte erst verdutzt, dann lachten wir beide sehr und er legte den Arm um mich und lächelte beruhigend „Das wird alles gut, seien Sie ganz entspannt.“ Und das war ich dann auch. Ich hatte sehr großes Vertrauen.

Die Operation verlief komplikationslos. Die erste Nacht verbrachte ich planmäßig auf der Intensivstation. Daran erinnere ich mich nicht so gerne: Mein Mund war extrem trocken und ich konnte mich nicht bewegen. Nach der langen Narkose und dem schweren Eingriff war ich total benommen. Die Intensiv-Schwester erschien mir wie ein Engel. Mit sanfter Stimme war sie die ganze Nacht liebevoll um mich und brachte mir ein „Hanserl“, ein kleines Kissen, damit mein Rücken nicht so schmerzte, steckte mir Zitronenstäbchen in den Mund, damit er nicht mehr so trocken war und umsorgte mich aufmerksam rund um die Uhr. Sogar mein operierender Arzt stand nachts um 4 an meinem Bett auf der Intensivstation. Er war für mich in der Nacht aufgestanden und in die Klinik gefahren, um nach mir zu sehen! Das war ein Ausnahme-Arzt, ich habe es doch gleich gewusst!

Auf meiner Brust lag ein Kissen, das mit heißer Luft befüllt wurde, damit die Brust in der Durchblutung unterstützt wurde. So wollte man das Absterben von Gewebe verhindern. Mir war unendlich heiß. An meinen Füßen befanden sich Pumpen, die ständig die Fußdurchblutung anregten, um einer Thrombose vorzubeugen. Warum hatte ich mir das angetan? Ich musste doch verrückt sein. War es das wirklich wert?

Alle 30 Minuten kamen Ärzte, um mit dem Finger über meine Brust zu streifen und zu überprüfen, ob sie noch durchblutet war. Dies behielten sie die nächsten 2 Wochen bei und steigerten dadurch meine Nervosität. Auch nach Tagen könne noch alles absterben, erfuhr ich. Welch drohendes Schreckgespenst!

Bereits am nächsten Morgen ging es mir aber bereits besser. Die nächsten 2 Wochen waren aufregend und anstrengend, aber ich war so glücklich über das, was neu an mir entstanden war, dass ich gerne jegliche Mühen auf mich nahm. Wie sehr es mich doch beflügelte, was ich da spürte. Ich hatte wieder eine BRUST!!!

Bereits in der ersten Nacht konnte ich das OP-Ergebnis sehen. Dr. Busse fragte mich noch nachts, ob ich mal schauen wolle. Wie lieb. Wahrscheinlich wusste er, wieviel Kraft zur Heilung das geben würde! Ich war begeistert. Ich kann nicht beschreiben, welch unglaublich schönes Gefühl es war, wieder eine Brust zu haben. Sie war kleiner als die andere Seite, noch ohne Brustwarze und ringsherum war die Narbe zu sehen. Dennoch: ich war die glücklichste Frau auf der Welt.

Ich durfte schon nach kurzer Zeit aufstehen, aber nur gebeugt laufen, damit auf meinem Bauchschnitt nicht zu viel Spannung lastete. Eine achtsame Krankengymnastin kam täglich ans Bett, um meine großen Rückenschmerzen mit einigen wohltuenden Handgriffen zu lindern. Das warme Kissen auf der Brust behielt ich noch einige Tage. Später tauschte ich es aus durch ein Lammfell, das meine Brust warm hielt, bis ich das Krankenhaus verlassen durfte.

Bereits in der zweiten Woche begann ich, das Erlebte zu verarbeiten. Ich konnte noch nicht einmal richtig sitzen, zu sehr zog und zwickte die Narbe am Bauch noch. Dennoch packte ich meine Malsachen aus und begann, meine inneren Bilder von der OP zu malen. Ich hatte das Gefühl, dass all dies aus mir herauskommen, sich äußern will. Die Brandblase an meinem Handgelenk, die ich am Tag nach dem Eingriff entdeckte, so erklärte mir der Arzt auf meine Nachfrage, käme von dem Festbinden am OP-Tisch. Man habe mich ja „aufgestellt“ in Narkose, da sei dann sehr viel Druck auf den Armen gewesen. Ich malte mir innerlich schreckliche Vorstellungen aus, wie ich blutig und verunstaltet vor diesen jungen attraktiven Ärzten hing, festgezurrt wie ein Paket. Also begann ich, dies bildlich festzuhalten und zu verarbeiten. Das tat mir gut. Ich spürte, wie die inneren Spannungen sich lösten. Bereits 2 Tage später konnte ich mich schon mit meinem Körper in einer anderen Art und Weise beschäftigen: die Farben wurden heller. Die neue Brust war im Bild zu sehen, nicht mehr nur blutiges Gemetzel wie auf dem ersten Bild.

Nun war mein Bild freundlich und licht, in strahlendem Gelb und Orange. Und so fühlte ich mich auch. Trotz der ganzen Schmerzen hätte ich jeden Tag die Welt umarmen mögen. Ich war so unendlich dankbar. Den Ärzten, die mich operiert hatten. Den Schwestern. Dem überaus großen Fortschritt in der Medizin. Der genialen Fingerfertigkeit von Dr. Busse, seiner sympathischen Umgangsweise mit den Patientinnen und seiner Vertrauenswürdigkeit. Dem Leben, dass es mir die Chance gab, so viel Glück zu empfinden. Ich spürte, dass in mir etwas ganz Besonderes passierte. Niemals zuvor war ich so tief mit meinem Schöpfer verbunden wie in diesen Tagen. Ich wusste plötzlich, dass ich nie dieses Glück hätte empfinden können, wenn ich immer meinen makellosen Körper behalten hätte, wie ich ihn mit 25 hatte. Erst wenn die Schmerzen groß genug waren, kann auch ein Glücksgefühl ins Unermessliche wachsen. Und eine Tatsache wusste ich nun besonders zu schätzen: ich kannte das Gefühl, wie es ist, einen neuen Körperteil geschenkt zu bekommen. Nach gängigen Schönheitskriterien würde dieser neue Busen keine Bestnoten erhalten. Aber für mich fühlte er sich göttlich an. Ermöglichte er mir doch, mich wieder als vollwertige Frau zu fühlen. BHs zu tragen ohne Prothese. Mich wieder freier bewegen zu können. Zu spüren, wie die Hände meines Partners meine Brüste streicheln.

Auch heute noch spüre ich diese große Dankbarkeit, wenn ich in den Spiegel sehe, auch wenn sich manches mit der Zeit normalisiert. Noch immer jedoch fühle ich das Glück, wenn ich sanft beim Eincremen über die neue Brust streiche oder einen tiefen Ausschnitt tragen kann und mich sexy fühle.

Als ich die Klinik nach der ersten Operation ca. 2 Wochen später verließ, befanden sich noch die Fäden in der Brust. Ich musste aufpassen wie ein rohes Ei, um meinen neuen Busen nicht zu verletzen oder zu gefährden, aber nie hatte es mir mehr Spaß gemacht, gut auf mich zu achten.

Bald war wieder „normales Leben“ angesagt. Noch in der ersten Woche nach meiner Heimkehr kaufte ich bereits die ersten BHs. Ich konnte sie nicht richtig anprobieren. Die Narben waren zu frisch und vor allem stand auch erst noch die angleichende Operation der “gesunden“ Seite an, die erheblich größer war. Ob die BH-Größe also richtig war, die ich nun erwarb (mein Körbchen lag nun zwischen B und C), stand noch nicht endgültig fest. Aber vorsichtig steckte ich meine kleine „Neue“ schon in dekorative Spitze und schwebte auf Wolken. In diesen ersten Wochen brach ich den Wäscherekord. Ich kaufte mindestens 12 BHs in der ersten Woche. Und auch heute noch ist der BH-Kauf ein Genuss für mich, wenngleich es sich stark normalisierte.

Alles verheilte gut und ein halbes Jahr später wurde in einer zweiten Operation die gesunde Seite größenmäßig angeglichen. Dr. Busse wusste noch nicht genau, ob er dabei auch gleich eine Brustwarze rekonstruieren könne aus dem Warzenhof der gesunden Seite, der verkleinert werden sollte. Ich gab ihm freie Hand, dies während der OP zu entscheiden. Es hing davon ab, ob das vorhandene „Material“ ausreichte. Sollte dies nicht der Fall sein, müsse man in einem dritten Schritt die Warze auftätowieren, was nach seinen Angaben auch ganz gut aussehen würde. Allerdings wäre eine Brustwarze aus der „echten Brustwarzenhaut“ an Natürlichkeit nicht zu übertreffen. Hier musste ich einfach abwarten und Geduld haben. Ich war mir bewusst, dass ich keine Perfektion erwarten durfte.

Auch bei der zweiten OP fand am Vorabend das schon vertraute „Einzeichnen“ statt. In letzter Sekunde sagte Dr. Busse leichthin, „dass Sie dann kein Gefühl mehr haben in der Brustwarze, darüber haben wir gesprochen, nicht wahr?“

Auf der gesunden Seite, der einzigen Stelle an meiner Brust, wo ich noch Empfindungen hatte, wenn mein Partner mich berührte, sollte mir auch noch das GEFÜHL genommen werden???

Und das sagte er so nebenbei? Ich war schockiert! Gerade das verbliebene Gefühl ließ mich oft vergessen, was eigentlich mit mir passiert war. In intimen Momenten der Zärtlichkeit spielte das keine Rolle mehr.

Nun sollte ich also auch noch in wenigen Sekunden entscheiden, ob ich lieber zwei Brüste haben und nichts mehr spüren will oder nur eine größere, nicht so schöne, die aber dafür sehr empfindsam und genussfähig ist???? Ich saß da wie ein begossener Pudel. Das konnte doch nicht wahr sein. Dann wäre ja alles umsonst gewesen.

Denn was sind zwei Brüste, von denen eine voller Narben war, und eine zweite, die nicht mehr auf die zärtlichen Berührungen meines Partners reagieren konnte? Dr. Busse nahm die Veränderung in meinem Gesicht wahr. Auf einmal meinte er: „Es gibt zwei Möglichkeiten, dies auszuführen: entweder mit einer Methode, bei der die Brustwarze „schön“ schön aussieht, dann fühlt man da aber nichts mehr. Oder es wirkt ästhetisch nicht so gelungen, dann kann man aber noch etwas empfinden!“ Ich war wie erstarrt. Darüber hatten wir bisher nicht gesprochen und ich fühlte mich unfähig, diese Entscheidung so schnell zu treffen. Dr. Busse dachte weiter nach, als er bemerkte, wie angestrengt ich überlegte. Plötzlich hellte sich sein Gesicht auf. Zögerlich sagte er: “Ich habe da mal früher eine Methode gelernt, das ist schon eine Weile her. Das könnte ich versuchen. Ich gebe mein Möglichstes. Vielleicht gelingt uns beides: schön und mit Gefühl...“ Er erklärte mir, wie er vorgehen würde. Ich hätte ihn umarmen mögen. Ich würde ganz fest die Daumen halten, dass das gelänge. Und ich schickte ein Stoßgebet nach oben und sagte: „Gott, Du hast mich das alles schaffen lassen. Hilf mir, es jetzt zu einem guten Ende zu bringen. Ich spüre, dass du auf meiner Seite bist!“

Die Operation dauerte dann noch einmal 3 Stunden und als ich diesmal erwachte, hatte ich mehr Schmerzen als beim ersten Mal. Aber ich war leidensbereit, Hauptsache, das Ergebnis stimmte. Nach ein bis zwei Tagen waren die Schmerzen vergessen. Ich blickte voller Spannung in den Spiegel. Das Resultat war fantastisch. Es sah schön aus und ich hatte Gefühl in der Brustwarze der gesunden und jetzt verkleinerten, „gestrafften“ Seite. Es war einfach unglaublich. Auch die Brustwarze der „Plastik“ war bereits aufgebaut und sah gut aus. Das bedeutete zudem, dass nun voraussichtlich keine weitere OP mehr anstünde. Ganz sicher waren wir uns in dieser Frage noch nicht und später stellte sich heraus, dass noch einige kleinere Korrekturen nötig waren, die ein halbes Jahr später noch operiert wurden. Aber hier stand „nur“ noch eine OP von ca. einer Stunde an. Was war das schon im Vergleich zu dem bisher Erlebten. Mittlerweile spürte ich zwar die Operationsfolgen körperlich an anderer Stelle beträchtlich, aber das wusste ich vorher. Dabei handelte es sich um temporäre Dinge, die ich in Kauf nehmen musste – Haarausfall, Konzentrationsstörungen etc. Das würde vorübergehen. Wenn ich heute zurückblicke, frage ich mich manchmal, woher die Kraft kam für die vielen Operationen.

Die Tage im Krankenhaus verflogen und nach einer Woche war ich wieder zuhause. An vielen Stellen fühlte ich mich stark eingeschränkt. Man hatte mir bei der letzten OP ein zweites Mal die Bauchnarbe geöffnet, da sich ein Stück des „Fadens“ beim ersten Entfernen nicht herausziehen ließ und im Bauch verblieben war. Leider hatte sich nach der ersten Operation ein nicht besonders fingerfertiger Arzt an meinem Heimatort daran versucht, die Fäden zu entfernen. Als es nicht gelang, schnitt er einfach links und rechts die Enden ab. Dieser „Faden“ war jedoch dick wie Draht und in meinem Bauch von außen zu tasten. Er war nun bei dieser Operation in Vogtareuth noch mit entfernt worden Deshalb musste ich nach meiner Rückkehr aus der Klinik wieder lange aufpassen, dass nicht zuviel Spannung auf der Narbe war. Nicht heben, keine Gymnastik, etwas gebeugt laufen, Rückenschmerzen. Das kannte ich bereits! Die seitlichen Ausbuchtungen, die durch die Wegnahme des Gewebes entstanden waren, „dog ears“ genannt, wurden korrigiert, die Brust war wieder mit Fäden durchzogen. Zwei und drei Wochen später erneutes Fädenziehen. Aber ich blickte nach vorne. Ich nahm alles in Kauf, weil es mich meinem Ziel näherbrachte: Ich wollte mich endlich wieder als vollständige Frau fühlen.

Während ich meinen Gedanken nachhänge, stürmt auf einmal Dr. Busse um die Ecke und bringt mich in die Gegenwart zurück. Nach einer Begrüßung wie unter alten Freunden, herzlich, lustig und vertraut, stellt er mir einen Kollegen vor, der das Ergebnis ebenfalls sehen möchte. Ich merke, wie sehr sich in mir alles zum Positiven verändert hat, denn es stört mich überhaupt nicht mehr, mich vor diesem unbekannten, gut aussehenden Arzt auszuziehen. Ausgiebig betrachten die beiden das Ergebnis der Operation.

Nun amüsiere ich mich! Herrlich, wie begeistert er und sein Kollege über die Ergebnisse sind. Ich bin es auch. Wann stehen schon mal 2 attraktive junge Männer vor mir und jubeln über mein Aussehen? Innerlich lache ich: es ist eine andere Begeisterung als die, die ich früher bei Männern hervorgerufen habe, aber ich liebe mich und meinen Körper nun mehr als früher und habe Spaß an der originellen Situation, als sie mich bitten, vor ihnen die Hosen herunterzulassen. Wir lachen alle. Begeistert kommentieren sie das Verschwinden meiner Hundeohren, der „Dog Ears“ an meinen Hüften, die durch die große Bauchnarbe entstanden waren, welche sich – bereits verblassend - quer über den Bauch zieht und doch gänzlich im Slip verschwindet. Zufrieden sind sie mit der weitgehenden Symmetrie der beiden Brüste, der Brustnarbe, die exakt mit dem BH abschließt. Wie sehr hat sich in mir doch alles zum Guten verändert. Ich kann mich wieder selbst annehmen. Weiblich und sinnlich fühle ich mich mit meiner neuen Brust!

Alle sind wir hochzufrieden mit den Ergebnissen. Dr. Busse tätowiert noch einmal die Brustwarze nach, die im Lauf der Zeit etwas blasser geworden war als die andere. Aber das ist tatsächlich nur noch eine „Kleinigkeit“, tut nicht weh und geht schnell. Ich verabschiede mich herzlich von ihm und versichere ihm, dass er mir ein neues Lebensgefühl geschenkt hat und ich ihm für immer dankbar sein werde. Und ich füge hinzu, „wenn es nach mir geht, werden Sie immer einen Platz auf der schönsten Wolke im Himmel reserviert bekommen, denn das haben Sie verdient!“

Heute sehe ich nicht mehr so „schön“ aus wie damals. An manchen Tagen denke ich beim Blick in den Spiegel, da steht eine andere Frau als die, die auf den Fotos mit 18 zu sehen ist. Und doch geht es mir so viel besser als früher. Ich bin näher an mir dran, ich fühle mich richtiger als damals.

Meine Brustamputation war mein Weckruf, mein Brustaufbau der Weg zu einer neuen, sinnlicheren Weiblichkeit. Insgesamt fühle ich heute eine nie gekannte Lebendigkeit mit viel mehr Selbstvertrauen und innerer Stärke.

Meine Geschichte handelt vom wachsenden Vertrauen zu mir selbst und meinen eigenen Heilungsbemühungen. Ich habe mich verabschiedet von unsinnigen Idealvorstellungen und habe heute etwas dagegen zu setzen. Der Weg war anstrengend und die Gefühle oft sehr schmerzlich, aber ich habe gelernt, sie auszuhalten und daran zu wachsen. Mein Brustaufbau war eine wichtige Unterstützung, um wieder mehr Selbstvertrauen zu gewinnen. Dennoch war der Weg danach noch nicht zu Ende. Es gab noch einiges an seelischer Arbeit zu leisten. Die eigentliche Lernerfahrung für mich lag darin, mich selbst anzunehmen und zu lieben und meinen eigenen Wert zu entdecken, um mich dem Druck der Schönheitsideale und Erwartungen von außen nicht mehr unterwerfen zu müssen. Ich bin heute zufrieden mit mir, glücklich mit meiner neuen Brust, die eine unbeschwertere Sexualität und ein neues Körpergefühl ermöglichte. Gelernt habe ich vor allem, mir und meinen Impulsen zu vertrauen, denn ich wurde dafür belohnt. Durch das Vertrauen in meine Intuition habe ich die richtigen Ärzte gefunden und blicke heute auf ein gelungenes OP-Ergebnis. Heute koste ich mein Leben in jedem Moment voll aus und warte nicht mehr, bis ich schlank, schön, reich, gesund oder erfolgreich genug bin. Ich lebe jetzt, mit allen Sinnen, mit voller Kraft, totalem Gefühl, absoluter und leidenschaftlicher Hingabe, ohne Kompromisse und genau auf die Ziele hin ausgerichtet, die mich erfüllen!

Bericht 4:

Diagnose Brustkrebs – mein langer Weg durch den Dschungel der Therapiemöglichkeiten

Im Juli 2006 wurde Mikrokalk in meiner linken Brust diagnostiziert. Meine Gynäkologin teilte mir schriftlich mit, dass es überhaupt keinen Anlass zur Beunruhigung gibt und ganz bestimmt keine bösartige Erkrankung vorliegt. Es sei aber angebracht, in 6 Monaten eine Kontrolluntersuchung durchzuführen.

Im Dezember 2006 erhielten wir endlich nach längerer Wartezeit die Genehmigung für unseren geplanten Hausbau und haben uns riesig gefreut, dass wir im neuen Jahr mit dem Bauen starten können.

Doch es kam alles anders. Ein paar Tage nach Beendigung unseres Winterurlaubs im Januar 2007 stellte meine Gynäkologin per Sonographie eine Veränderung des Mikrokalkes in der linken Brust fest. Sie empfahl mir zusätzlich eine Mammographie durchführen zu lassen. Die Radiologin verordnete hinterher sofort eine Stanzbiopsie im Krankenhaus. Der Chefarzt der Radiologie meinte unmittelbar nach der Untersuchung, dass das gestanzte Gewebe gut aussieht. Weil ich seit ca. 6 Monaten unerklärliche Bauchschmerzen hatte, war für den übernächsten Tag einen Coloskopie angesagt. Aus diesem Grund musste ich am Vortag 4 l einer Abführlösung trinken, als ich dann auch noch die Diagnose: „Vorstufe zum Brustkrebs DCIS und LCIS“ vom Radiologen erfuhr. Aber „Gott sei Dank“, dachte ich, “ist es noch kein Krebs!“

Die Aufnahme im Krankenhaus war bereits 6 Tage später. Die 1. OP erfolgte am 01.02.2007 durch den Oberarzt und zuvor wurde das Mikrokalkareal markiert. Während der OP kam zusätzlich überraschenderweise ein 2,2 cm großes Karzinom zum Vorschein, das in der vergangenen Zeit weder getastet, noch bei bildgebenden Verfahren (Sono- und Mammographie) erkannt wurde. Als ich meine Diagnose erfuhr, war ich so dankbar, dass ich laufen kann und nicht an den Rollstuhl gefesselt bin. Ich wusste sofort, dass ich es schaffen werde!

Laut des pathologischen Befundes waren leider immer noch einzelne kleine Resttumore bzw. Vorstufen vorhanden. Infolgedessen erfolgte die Markierung des Sentinels. Nach der 2. OP am 07.02.2007 bekam ich die schlechte Nachricht, dass 2 Lymphknoten befallen waren und der Rand im operierten Bereich immer noch nicht frei war. Bei dieser OP wurde mir zusätzlich auf Anraten des Chefarztes an meiner rechten (gesunden) Brust ein ca. 2 cm großes Fibroadenom entfernt. Mein Operateur teilte mir mit, dass es für mich keine andere Alternative gäbe als die Ablatio der linken Brust. Ich war wie vom Blitz getroffen. Mit einer Chemotherapie hatte ich mich bereits abgefunden und schon Prospekte von Perücken im Krankenhaus gesammelt, aber die Vorstellung einer Amputation war für mich zu diesem Zeitpunkt ein Alptraum. Mein Operateur sagte mir auch, dass ich für den Brustaufbau mit Eigengewebe vom Bauch (Diep flap) zu schlank sei. Auch beim Aufbau mit dem Latissimus Dorsi müsste zusätzlich ein Implantat mit eingearbeitet werden. Das hörte sich alles für mich nicht gut an.

Am 16.02.2007 ging ich während meines Krankenhausaufenthaltes zu einer anderen Klinik zum Einholen einer 2. Meinung. Diese erhielt ich nie, weil sich mein Operateur und die Ärztin in der erstbehandelnden Klinik nicht telefonisch austauschten und in XX die angeforderten Untersuchungen nicht alle durchgeführt wurden. Mir wurde gesagt, dass der Operateur den kompletten Latissimus Dorsi nimmt und dieser bei mir für den Aufbau ausreicht und Haut und Warze bleiben könnten.

Meine Entlassung war am 19.02.2007 nach 20 Tagen Aufenthalt. Er dauerte so lange, weil die Lymphflüssigkeit wegen des Soges so lange auslief und man sagte mir, dass es die Farbe so auch noch nie gegeben hätte. Es sah aus wie Capuccino. Erst als der Sog abgestellt wurde, lief keine Flüssigkeit mehr nach. Warum haben die Pflegekräfte das nicht früher gemacht? Zwischenzeitlich habe ich gelernt, dass ich mich auch mal wehren darf bzw. muss, wenn es um „meine“ Gesundheit geht.

Meine Gynäkologin sollte mir für die Zweitmeinung an die Klinik eine Überweisung ausstellen. Das erste Telefonat seit meiner Krebserkrankung führte sie mit mir, indem sie mir ihre Ängste mitteilte, ob meine Krankenkasse auch die Kosten dafür übernehmen würde oder sie 1 -2 Jahre später die Ablehnung bekommen wird und dann die Kosten selbst tragen müsste. Sie wollte es mit meiner Krankenkasse abklären und sich anderntags bei mir melden, aber ich wartete vergeblich und holte mir die Überweisung bei meinem Hausarzt. Am übernächsten Tag ging ich zusammen mit meinem Ehemann in ihre Praxis, um mir eine Krankmeldung abzuholen. Meine Gynäkologin schoss an uns vorbei, setzte sich selbst an den PC und schrieb die Krankmeldung, reichte sie mir mit den Worten: „Hier die Krankmeldung, das ist für den Arbeitgeber und das für die Krankenkasse. Konnten Sie sich zwischenzeitlich damit anfreunden, ihre Brust amputieren zu lassen?“. Mir blieb fast die Sprache weg, zudem auch noch die Wartezimmertüre geöffnet war und jeder mithören konnte. Die Krankmeldung war nur für 14 Tage ausgestellt – ein Witz bei meiner Erkrankung.

Ein paar Tage später erhielt ich wegen einer Anfrage im Klinikum XXX einen Rückruf von einem Prof. Er erklärte mir, dass ich bei einer Ablatio keine Chemotherapie benötige, wenn ich noch weitere Lymphknoten entfernen ließe. Chemotherapie sei in Deutschland experimentell. Er würde es bei seiner Frau auch nicht zulassen. Der Aufbau könnte mit Diep- oder Tramlappen erfolgen, Warze und Haut könne man erhalten.

Daraufhin hatte ich am 26.02.2007 einen Termin in der Klinik in XXX, um mich bei dem Operateur Prof. XXX vorzustellen und eine Drittmeinung einzuholen. Leider wartete ich 3 Stunden vergeblich auf ihn und musste mit einem Arzt für Handchirurgie vorliebnehmen. Es wurden Fotos von Brust und Bauch gemacht und ein OP-Termin auf den 07.03.2007 vereinbart. Dieser wurde jedoch ein paar Tage später wieder auf den 21.03.2007 verschoben.

Am 04.03.2007 traf ich ganz zufällig eine Bekannte, die 2 Jahre zuvor selbst an Brustkrebs erkrankt war. Sie erzählte mir ihre Story. Sie hatte auch eine Ablatio mit primärem Aufbau mit einem Silikon-Implantat in einer Klinik in XX. Jedoch entstand eine Kapselfibrose und sie ließ sich ein zweites Mal in XX operieren. Auch das ging nicht gut. Alle guten Dinge sind 3, dachte sie und ging in die Klinik nach XX zu Prof. XX- wieder ein Misserfolg. So beschloss sie einen 4. Eingriff mit dem Diep Flap

in der Klinik in XX bei Chefarzt XX machen zu lassen und sie war 100%ig zufrieden

und lobte dieses Krankenhaus. Leider hatte sie telefonisch (6-7 Anrufe) nie Zeit, mir die Adresse der Klinik in V. zu nennen, was ich bis heute nicht verstehen kann. Von

ihrer Mutter habe ich die Anschrift der Klinik dann später doch noch erhalten.

Am 06.03.2007 suchte ich eine Gynäkologin auf, die gegen eine Ablatio war. Sie teilte mir mit, dass es in meinem Fall keinen Unterschied für Überlebensrate und Metastasenbildung mache, ob ich mich ein drittes Mal brusterhaltend operieren und bestrahlen lasse oder die Brust amputieren lasse und keine Bestrahlung erfolge. Jetzt war ich in der Zwickmühle. Was ist wohl das Richtige für mich?

Der Termin 21.03.2007 in XX rückte immer näher. Jedoch konnte ich ihn wegen einer starken Erkältung nicht wahrnehmen – zum Glück! Dafür durfte ich an diesem Termin im Klinikum in XX im Rahmen einer Studie kostenlos eine PET-CT- und eine Ganzkörper-MRT-Untersuchung durchführen lassen. Es wurde nichts Gefährliches festgestellt, alles war glücklicherweise im grünen Bereich.

Weil es an der Zeit war etwas zu tun, habe ich beschlossen, erst einmal mit der Chemotherapie zu starten. Vorab wollte ich mich aber noch bei den Ärzten rückversichern, ob sie einverstanden sind. Leider war mein Operateur im Urlaub und der Onkologe und Radiologe im Krankenhaus in XX fühlten sich nicht zuständig und meldeten sich auch nicht bei mir. Der Pathologe hat mich zurückgerufen, wollte aber nichts empfehlen.

Am 31.03.2007 ging es los mit 3 x FEC und anschließend 3 x Taxotere bis 13.07.2007. Am 07.04.2007 (Karsamstag) habe ich mir beim Friseur meine Haare 3 cm kurz abschneiden lassen und gleich meine Perücke, meine „Michi“ (Modell Michigan) getragen. Die Vorher- und Nachher-Fotos schickte ich allen meinen Freunden und Bekannten per E-Mail, damit sie mich bei einem Treffen sofort wiedererkennen. Während der Chemotherapie begann ich mich mit einem Mistelpräparat zu spritzen. Als ich an einem Samstag Fieber bekam und die Leukozyten auch sehr niedrig waren, ging ich wegen des Infektionsrisikos ins Krankenhaus. Ich sollte ein zweifaches Antibiotikum nehmen. Weil ich vermutete, dass es an der Mistel lag, wartete ich mit der Einnahme bis Mitternacht und meine Intuition hat sich bewahrheitet: das Fieber war weg. Zusätzlich nahm ich während der Chemo Neurium 600mg ein, das vorbeugend sehr gut gegen Nervenschmerzen wirkt. Ich bot meiner Onkologin im Krankenhaus an, dies auf den Merkzettel für Chemotherapie zu setzen, da dies auch anderen Patienten helfen könnte. Sie hat es aber abgetan und hielt es nicht für wichtig – schade!

Zwischenzeitlich stellte ich mich im Krankenhaus in XX vor, um mich über die Bestrahlungstherapie aufklären zu lassen. Die Ärztin teilte mir mit, dass es für mich keine Heilung mehr geben würde, wenn ich mich nicht mehr operieren ließe. Sie selbst würde die Ablatio wählen.

Am 19.07.2007 hatte ich einen Termin beim neuen Chefarzt Prof. XX im Klinikum in XX, der bereits viele Brustaufbauten vorweisen konnte. Er empfahl mir, zu meiner Überraschung, mich noch ein drittes Mal brusterhaltend operieren zu lassen und für das fehlende Gewebe ein Implantat einsetzen zu lassen. Als ich ihm aber sagte,

dass ich keinen Fremdkörper möchte, war er sofort mit meiner Idee einverstanden,

das Gewebe der gesunden Brust zu reduzieren und der operierten Brust anzuglei-

chen. Er veranlasste eine Mammographie- und MRT-Untersuchung. Nachdem wieder Mikrokalk vorhanden war und mir eine andere Ärztin bestätigt hat, dass es der alte war, der vor der ersten OP markiert wurde, hatte ich kein Vertrauen mehr, dass bei der 3.OP wirklich alles Verdächtige vollständig ausgeräumt wird. Blitzartig war mir klar, dass eine Ablatio das Beste für mich ist, zudem ich dann auch auf Bestrahlungen verzichten konnte.

Am 30.07.2007 hatte ich erneut einen Termin im Klinikum in XX. Dieses Mal lernte ich den Oberarzt Prof. Dr. XX persönlich kennen. Es war die Hölle. Das Erste was er mir erklärte (bezugnehmend auf die Fotos vom Februar 2007, ohne meine Brust aktuell gesehen zu haben) war, er müsse radikal operieren, weil die Haut im unteren Quadranten eingezogen sei und einer Orange gleiche. Es sei ein neuer Krebs vorhanden. Das zweite Übel war, dass er mir mitteilte, dass das Fettgewebe vom Bauch wahrscheinlich nicht ausreiche, weil er die Hälfte in die Mülltonne kippen müsse (aufgrund einer senkrechten Narbe am Bauch, verursacht durch einen Autounfall im Alter von 10 Jahren). Wie versteinert saß ich da. Er sagte, es sei höchste Zeit für die OP und nannte mir einen neuen Termin, den 29.08.2007. Wieder zu Hause bekam ich einen Anruf, dass der Termin auf den 05.09.2007 verschoben wurde.

Jetzt war mir klar, dass diese Klinik ein Tabu für mich ist und ich vereinbarte einen Termin in der Klinik in Vogtareuth am 13.08.2008. Die Atmosphäre in diesem Haus ist einfach klasse: alle sind sehr nett und freundlich, hören zu und beraten bestens. Mir wurde kein primärer Aufbau mit Eigengewebe empfohlen, weil die Blutwerte nach der Chemo noch nicht im Normbereich lagen, sondern ein vorübergehender Aufbau mit einem Silikon-Implantat für ca. 6 Monate. Meinen OP-Termin für diesen Eingriff bei Oberarzt Dr. Busse vereinbarte ich sofort für den 28.08.2007. Alles lief super, eine Woche später wurde ich bereits entlassen und es ging mir gut. Anschließend erhielt ich eine Anschlussheilbehandlung vom 20.09. – 18.10.2007 in der Kraichgau-Klinik in Bad-Rappenau. Auch dort habe ich mich wohlgefühlt und konnte neue Energien sammeln.

Bis zu diesem Zeitpunkt wollte ich keine Antihormone einnehmen. Nachdem aber alle Ärzte gesagt haben, dass es für mich unumgänglich ist, habe ich am 01.11.2007 mit der Einnahme von Tamoxifen 20mg gestartet. Bis heute vertrage ich das Medikament gut, von ein paar Hitzewallungen abzusehen.

Ende November ist mein Mann auch an Krebs erkrankt und wurde im Januar 2008 operiert. Diese Diagnose war etwas zu viel für mich, zumal mir ja noch die große Operation mit Eigengewebe vom Bauch (Diep flap) bevorstand.

Leider hat sich mein Körper etwas gegen das Implantat gewehrt und es entwickelte sich eine Kapselfibrose. Ich vereinbarte einen Termin für den geplanten Eingriff (Diep flap) auf den 04.04.2008. 2 Wochen vor der OP hatte ich bereits einen Termin für die Eigenblutspende in einem Krankenhaus in XX. Meine neue Gynäkologin war aber dagegen und ich musste den Termin wieder absagen. Im Nachhinein bin ich

froh darüber, weil ich bei der OP keine Bluttransfusion gebraucht habe. Mir wurde

empfohlen, die OP bei abnehmendem Mond durchführen zu lassen, weil meistens weniger Nachblutungen auftreten und in meinem Fall hat es sich auch bewahrheitet. Die OP dauerte über 7 Stunden, verlief komplikationslos und wurde von Oberarzt Dr. Busse zusammen mit seinem eingespielten Team sehr gut gemeistert. Es wurde ein DIEP mit 2 Perforatoren gemacht zur Erhöhung der Sicherheit der Durchblutung. Lustig fand ich, dass Dr. Busse meinem Ehemann gleich nach der OP meine „neue“ Brust auf seiner Digicam zeigte. Im Aufwachraum erhielt ich für die darauf folgenden 3 Tage eine Fußpumpe wegen des Thromboserisikos und ein Blaserohr mit warmer Luftzufuhr für die Durchblutung des implantierten Gewebes. Ein Katheder wurde am Hals gelegt wegen der besseren Handhabe während der OP. Auch dieser verblieb wegen eines eventuellen Lappenverlustes für 3 Tage. Mir ging es während des gesamten Aufenthaltes bis 14.04.2008 immer gut in dieser Klinik und ich kann sie jeder betroffenen Frau wärmstens weiterempfehlen.

Ein paar Kleinigkeiten sind hinterher aufgetreten: Im Dekollteebereich ist ein bisschen zuwenig Fett vorhanden und deshalb sind leichte Dellen entstanden. Am Anfang und Ende des Bauchschnittes wurde kein „Abnäher“ gemacht und es liegt jeweils eine wulstartige Verdickung vor. Man kann aber alles wieder korrigieren, indem man an diesen Verdickungen Fett absaugt und hinterher im Dekolltee wieder einspritzt. Auch der kleine spindelförmige Hautstreifen vom Bauch (Monitorinsel) kann in dieser OP wieder zum Verschwinden gebracht und die gesunde Brust angeglichen werden. Das Fettgewebe der „neuen“ Brust hat sich nach der OP an manchen Stellen verhärtet. In meiner 2. Reha-Klinik auf Schloss Hamborn, bei Paderborn (vom 20.08.-17.09.2008) wurde mir das Damm-Massageöl von Weleda empfohlen. Ich kann davon nur positiv berichten, es hat eine sehr gute Wirkungsweise gezeigt. Die zuvor erwähnten Korrekturen werde ich im nächsten Jahr bei Oberarzt Dr. Busse in Vogtareuth machen lassen.

Mitte August 2008 hatte ich einen Termin beim Radiologen zur MRM-Untersuchung, weil bei meiner operierten Brust keine Mammographie möglich ist. Obwohl ich einen Überweisungsschein meiner Gynäkologin vorlegte, lehnte der Radiologe die Untersuchung ab, weil es keine Kassenleistung sei. Er nahm nicht einmal mein Angebot an, die Untersuchung privat zu bezahlen und schickte mich wieder nach Hause. Ich sollte meiner Krankenkasse seinen Kostenvoranschlag vorlegen und erst nach Genehmigung könnte ich wieder zu ihm kommen. Die Krankenkasse lehnte ab, weil er keine Begründung für die Untersuchung darlegte. Daraufhin ging ich zu einem anderen Radiologen nach XX und bekam anstandslos die notwendige Untersuchung. In der vergangenen Zeit habe ich gelernt zu kämpfen, aber auch geduldig zu sein.

Was mir die ganze Zeit hindurch sehr geholfen hat, war die Anteilnahme und Fürsorge meiner Familie, meiner Freunde und Bekannten und mein Glaube. Dafür bin ich sehr dankbar und glücklich. Vielen lieben Dank auch allen guten und lieben Ärzten und Pflegekräften! Ich freue mich riesig, dass ich jetzt alles geschafft habe!

Im November 2008 XXX

Bericht 5:

Patientinnenbericht vom 11.08.2009

Im April 2008 wurde nach einer Biopsie operativ eine Gewebeprobe entnommen. Die Diagnose war Brustkrebs! Es folgte eine OP mit Entnahme von 3 Karzinomen in der linken Brust und die Entfernung der Brustwarze. Ich ließ mir einen Expander einsetzen. Danach folgte der Achselschnitt: Man entfernte den Wächterknoten, der befallen war, die anderen Lymphknoten waren in Ordnung. Das war im Mai 2008. Im Juni 2008 folgte dann die erste Chemotherapie und anschließend im Oktober die Strahlentherapie. Gleichzeitig unterstützte ich mein Immunsystem mit einer Misteltherapie und anderen homöopathischen Mitteln. Ende Oktober bekam ich dann noch Herzeptin, da ein Knoten Herz 2 positiv war. Im Januar 2009 ging ich in die Reha. Nachdem der Expander zweimal mit Kochsalzlösung aufgefüllt wurde, stellte sich dann Anfang 2009 heraus, dass sich eine Muskelfibrose unter der Haut gebildet hatte. Mein Arzt riet mir dazu, den Expander zu entfernen und kein weiteres Silikonkissen einzusetzen, sondern eine Bauchlappentransplantation durchführen zu lassen. Diese OP wurde im Juni 2009 in Vogtareuth erfolgreich vorgenommen. Die OP liegt jetzt 6 Wochen zurück und es sieht alles sehr gut aus. Ich gehe jetzt regelmäßig zur Lymphdrainage (achte auf gesunde Ernährung und treibe Sport). Voraussichtlich Anfang 2010 steht mir dann noch eine Brustwarzenrekonstruktion bevor! Darauf freue ich mich schon, weil ich mich dann wieder als vollständige Frau fühlen kann!

Bericht 6:

Patientenbericht vom 30. November bis 10. Dezember 2008:

Mastektomie und DIEP-flap meiner linken Brust im BHZ Vogtareuth

Nach zwei brusterhaltenden Tumoroperationen an meiner linken Brust (im Mai 2001 und im August 2006) wiesen mich verschiedene Ärzte unabhängig von einander darauf hin, dass wegen starker Vernarbung des verbliebenen Brustgewebes Veränderungen bei Mammograhie oder Sonographie schlecht zur erkennen seien. Um das mögliche Risiko eines weiteren unerkannten Tumors in der Brust auszuschließen, entschloss ich mich im Spätsommer an der restlichen linken Brust eine Mastektomie mit gleichzeitigem Wiederaufbau durch Eigengewebe vornehmen zu lassen.

Am 30. November 2008 komme ich um 10:30 Uhr, nach vorheriger Untersuchung und ausführlichen Informationsgesprächen mit dem Mikrochirurgen Herrn Dr. Busse bzw. dem Anästhesisten im BHZ Vogtareuth auf Station zur OP-Vorbereitung an.

Dr. Morakis empfängt mich und richtet nochmals aufklärende Worte bezüglich der OP an mich. Auf Zimmer 587 bin ich sehr gut untergebracht, die diensthabenden Schwestern sind ausnahmslos freundlich, herzlich und zuvorkommend. Am Spätnachmittag kommt Dr. Morakis auf mein Zimmer und markiert für die OP meinen Bauch bzw. die benötigten Venen unter der Haut. Nach einem eher kargen Abendessen (Süppchen und Toastbrot) bekomme ich kurz danach einen Einlauf, der wenig später meinen Magen und Darm leert.

Die Nachtschwester bringt mir anschließend mein OP-Hemdchen, Kompressionsstrümpfe, Venenpumpen für die Beine, ein OP-Höschen und eine Slipeinlage für den morgigen Eingriff. Sie gibt mir für eine ruhige Nacht auch eine Schlaftablette.

Am 1. Dezember werde ich um 6.00 Uhr geweckt, dusche mich, bekomme eine weitere Beruhigungstablette und um 7.00 Uhr geht es ab in den OP – es ist soweit! Es handelt sich hier im Krankenhaus um eine wirklich sehr gute OP-Vorbereitung: Ich habe vom Transport in den OP und der eigentlichen Narkose überhaupt nix mehr mitbekommen. Dies ist insofern beachtlich, weil ich sehr schlechte Venenzugänge hab’, d. h. echte Probleme bei der Blutabnahme, etc.!

Ca. neun Stunden dauert die OP, die von drei Ärzten durchgeführt wird! Gegen 16.00 Uhr wache ich zum ersten Mal wegen starkem Durst auf der Intensivstation auf. Ein sehr freundlicher Pfleger ist in unmittelbarer Nähe und befeuchtet meine Lippen und den Mundinnenraum mit feuchten Stäbchen – herrlich in dem Moment!

An den Beinen arbeiten währenddessen schon die Venenpumpen und auf der operierten Brust bläst wie verrückt der „warm touch“ (wie eine Kissenhülle vorstellbar, in den mittels eines Föns 37 Grad warme Luft strömt).

Stündlich wird die Durchblutung der Brust von einer Schwester kontrolliert; zu diesem Zeitpunkt wünsch ich mir nur eines: Bitte lasst mich schlafen!

Nachdem mir der nette Pfleger am nächsten Morgen beim Zähneputzen behilflich war geht es gegen 9.00 Uhr zurück auf Station.

Meine Zimmernachbarin, begrüßt mich ganz lieb, ich bin aber kaum fähig zu sprechen oder zu erzählen – nur schlafen!!!

Am zweiten Tag wird morgens der Verband gewechselt und ich kann zum ersten Mal das Operationsergebnis sehen:

Der Schnitt am Bauch geht von einem Hüftknochen zum anderen, ist aber ganz toll, sehr schmal genäht. Die Fäden werden sich von selbst auflösen – nur die Endschlaufen werden nach zwei Wochen ab dem OP-Tag abgeschnitten. Die Haut spannt schrecklich! Die Brust tut weh wie man Schmerzen von einem Bluterguss kennt, ist natürlich von der OP noch stark geschwollen – größer als meine andere Brust.

Bei der Abendvisite von Herrn Dr. Busse am zweiten Tag nach der OP: Venenpumpe und warm touch laufen immer noch, ich bekomme eine richtige Panikattacke:

Ich bitte Herrn Dr. Busse, sofort die beiden Geräte abzustellen – wegen der Venenpumpe könne ich überhaupt nicht schlafen, ich bekäme kaum noch Luft durch den warm touch vor meiner Nase – ich wolle doch nicht ersticken, nicht sterben! Ich weine schrecklich! Herr Dr. Busse beruhigt mich, die OP sei sehr gut verlaufen, diese Maßnahmen dienen der besseren Durchblutung bzw. zur Verhinderung von Thrombosen. Die Schwester bringt mir direkt Beruhigungsmittel und für eine Stunde ein Sauerstoffgerät. Während dieser Zeit werden die Geräte auch abgeschaltet. Mein Verhalten ist mir aber den Betroffenen gegenüber noch lange mächtig peinlich!

Am Tag darauf stellt sich die Physiotherapeutin bei mir vor und ist mir behilflich mich zum ersten Mal an den Bettrand zu setzen und aufzustehen. Dies fällt mir doppelt schwer, weil ich noch an drei Redonflaschen und am Blasenkatheter angeschlossen bin. Ich kann aber sogar ein paar Schritte im Zimmer laufen!

Eine der Schwestern befreit mich kurz danach von diesen Hindernissen – ich fühle mich wie neu geboren! Nach dem ersten Stuhlgang am Vormittag dieses Tages bekomme ich auch wieder LVK-Kost (leichte Vollkost) als Mittagessen, was nach den drei Tagen Süppchen natürlich herrlich war.

An den folgenden Tagen geht es mir zusehends besser. Am Sonntag bei der Abendvisite fragt mich Herr Dr. Busse doch glatt, ob ich bereits morgen oder erst am Dienstag nach Hause wolle! Am Montag bei der Morgenvisite stelle ich gegenüber Herrn Dr. Busse richtig, dass mich eine direkte Entlassung doch um einiges überfordern würde.

Dienstag, 09.12.2008: Bei der Chefarztvisite beurteilt auch der Chefarzt das Ergebnis der OP als gelungen. Nachmittags kommt Dr. Busse ins Zimmer und fragt mich ob ich damit einverstanden sei, dass sich eine weitere Krebspatientin meine frische OP ansieht. Sie habe sich im Sommer nach ihrer Mastektomie für ein Silikon-Implantat entschieden, das sich stark verhärtet habe. Nach dem Info-Gespräch mit den Ärzten wolle sie sich vor einer erneut notwendigen OP gerne ein Ergebnis mit Eigengewebs-Brustaufbau ansehen.

Wie ich später erfahren habe, wird sie sich wegen meinem guten Ergebnis im Januar n. J. der OP unterziehen.

Herr Dr. Busse verabschiedet sich am Abend noch bei mir und wünscht mir alles Gute, weil er am darauffolgenden Tag nicht in der Klinik sei.

Meine Schwester holt mich am Mittwoch nach der Morgenvisite ab.

Die ersten Tage allein zu Hause sind nicht so prickelnd! Ich muss mich fast zwingen, mich immer wieder hinzulegen, die Haushaltsarbeiten einfach zu übersehen. Die fehlende Kraft und die rasche Erschöpfung weisen mich jedoch immer wieder darauf hin.

Der Schnitt am Unterbauch macht noch erheblich zu schaffen; an der Brust tauchen vermehrt Blutergüsse auf mit den damit verbundenen Schmerzen. Ich möchte aber weitgehend auf Schmerztabletten verzichten – nehme „nur noch“ einmal am Tag Aridimex, Fluctin und in den nächsten drei Monaten ASS 100 ein.

14 Tage nach der OP zieht mir mein Hausarzt die Fäden am Nabel und schneidet die Schlaufen der Nähte am Unterbauch und an der Brust ab;

am Tag darauf habe ich einen Termin zur Nachuntersuchung bei Herrn Dr. Busse.

Bericht 7:

Patientenbericht vom 17.08.2008

Im April 2005, kurz vor meinem 46. Geburtstag erhielt ich die niederschmetternde Diagnose: Tumor bösartig, die rechte Brust muss entfernt werden. Ich konnte es erst gar nicht fassen – doch dann wollte ich alles tun, um wieder gesund zu werden, zu leben.

Am Klinikum in Nürnberg, wo ich operiert wurde, erfolgt kein gleichzeitiger Wiederaufbau, etwa aus dem Rückenmuskel, wie es an manchen anderen Kliniken Usus ist. Für mich war das so in Ordnung – zum einen kam für mich diese Lösung aufgrund meiner schweren Skoliose sowieso nicht in Frage und zum anderen wollte ich lieber einen Schritt nach dem anderen gehen.

Nach Chemo- und Bestrahlungstherapie war die äußere Wunde nach einigen Monaten gut verheilt. Doch mir war klar: Ich fühle mich noch zu jung, um mein weiteres Leben mit nur einer Brust zu verbringen. Die schwabbelige Kunstbrust, die im BH steckt und den Verlust von außen her gut kaschiert – nein, das konnte es auf Dauer nicht sein! Ich fühlte mich nicht als „ganze“ Frau, auch wenn mir mein Mann wirklich lieb und treu zur Seite stand. Ich wollte den Wiederaufbau der rechten Brust. Im Internet surfte ich nach Möglichkeiten und Kliniken und stieß dabei auf Vogtareuth. Die Rückmeldungen von Patientinnen, die hier behandelt worden waren, klangen durchwegs sehr gut und die Methode des DIEP-Flap – also Wiederaufbau aus dem Fettgewebe des Bauches – sagte mir zu.

Ich nahm also die über 300 km Fahrt auf mich, ließ mich untersuchen mit dem Ergebnis, dass die Operation bei mir gemacht werden könnte.

Eine neue Brust geformt aus Bauchfett und Haut, eine Brust aus eigenem Gewebe, kunstvoll angenäht, mit den Blutgefäßen verbunden – dazu müsste auch ein größeres Blutgefäß von unten nach oben mittransferiert werden.

Eine große Operation durchgeführt im Januar 2007 nicht ganz ungefährlich, nicht mit 100%iger Erfolgsgarantie – aber ich wollte sie auf mich nehmen, das Ziel vor Augen: ein Stück mehr Ganzheit, Normalität, Heilsein.

Mit dem Ergebnis war und bin ich zufrieden. Natürlich – man sieht die Narben. Natürlich – das Gefühl wie vorher ist nicht da und die Brustwarze fehlte auch noch; die habe ich gerade erst – nach eineinhalb Jahren – mal „anfügen“ lassen, bin gespannt, wie es aussieht. Doch insgesamt ist es einfach ein viel besseres Gefühl, wieder mit zwei Brüsten ausgestattet zu sein.

Ich bin dem Ärzteteam in Vogtareuth sehr dankbar, dass es diese Möglichkeit gibt und dass hier so sorgfältig und aufmerksam gearbeitet wird!

Für mich und sicher für ganz viele Frauen ist Ihre Arbeit ein Segen, sie schenkt uns neue Lebensfreude und hilft, dass die Wunden der Vergangenheit heilen.

Bericht 8:

Patientenbericht Mai 2002

An einem ganz normalen Tag beim Duschen bemerkte ich an meiner rechten Brust einen Knoten. Der erste Schreck war sehr groß, aber gleichzeitig versuchte ich mich selbst zu beruhigen. Am nächsten Tag habe ich erst einmal einen ganz normalen Termin (4 Wochen später) für die Krebsvorsorge bei meiner Ärztin vereinbart. Nach den nun üblichen Untersuchungen, Mammographie, Mammastanze stand fest, dass der Knoten bösartig war.

Im Juli 2002 wurde die rechte Brust entfernt.

Es folgt adjuvante EC Chemotherapie, vier Einheiten sowie 36 Bestrahlungen.

2003 entschied ich mich, nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt im Brustzentrum für einen Aufbau mit Silikon.

November 2003 Operation Expander

Februar 2004 wurde die Silikonprothese eingesetzt und es wurde eine angleichende Reduktionsplastik der linken Brust vorgenommen.

Mai 2004 erste Entzündung ca. 11 Tage Krankenhaus

Oktober 2004 Prothesenwechsel nach Wundheilungsstörung.

Oktober 2004 zwei Wochen später erfolgte der nächste Krankenhausaufenthalt. Therapie: Wundrevision, Sekundärnaht und Delay (in Vorbereitung auf einen möglichen TRAM-Lappen bei evtl. auftretender neuer Wundheilungsstörung).

Dies war vorerst meine letzte OP.

Nach der Chemo und der Bestrahlung erhielt ich zwei Jahre Zoladex und 5 Jahre Tamoxifen.

Durch die Einnahme der o.g. Medikamente hatte ich in den folgenden 5 Jahren eine erhebliche Gewichstzunahme. Das Größenverhältnis der linken zur rechten Brust stimmte mit der Zeit nicht mehr, das Implantat wuchs natürlich nicht mit.

Anfang 2005 bemerkte ich, dass sich das Implantat veränderte (Fibrose) und auch teilweise Scherzen verursachte.

Ich vereinbarte einen Termin. Nach der Untersuchung teilte mir der Arzt mit, dass wenn dieses Implantat entfernt wird, kein neues mehr eingesetzt werden kann.

Diese Entscheidung wurde von mir immer wieder aufgeschoben, da die Schmerzen noch nicht so groß waren.

2007 erkrankte eine Arbeitskollegin an Brustkrebs. Bei ihr wurde der Brustaufbau mit freiem Gewebetransfer vom Unterbauch in XX durchgeführt.

Kurzerhand vereinbarte ich einen Termin in XX. Nach Durchsicht meiner Unterlagen sowie einem ausführlichen Gespräch mit der Ärztin wurde mir mitgeteilt, dass ein Gewebetransfer vom Unterbauch nicht möglich sei, da bei meiner letzten OP für eine eventuelle spätere TRAM-Lappenplastik eine Delay-Operation durchgeführt wurde.

Der Arzt empfahl mir daher einen Mammaaufbau mit dem sogenannten S-GAP-Lappen vom Gesäß.

Im August 2007 stellte ich mich in Vogtareuth vor. Es wurde ausführlich über die bevorstehende OP gesprochen und ein Termin vereinbart.

Der Termin im Januar 2008 wurde mehrfach verschoben. Am 17. März traf ich in Vogtareuth ein. Der erste Eindruck war sehr deprimierend. Meine Zimmernachbarin hatte vier Tage vorher einen Aufbau mit S-GAP-LAPPEN vom Gesäß erhalten. Die erste Not-OP bei ihr war am 17. März, die zweite am 18. März. Ich war mir zu diesem Zeitpunkt nicht mehr sicher, ob ich die richtige Entscheidung getroffen hatte.

Die OP war am 19. März (gleichzeitig hatte meine Zimmernachbarin ihre 3. und 4. Not-OP).

Es war eine sehr lange Operation, im Anschluss wurde ich auf die Intensiv- und am nächsten Morgen auf die normale Station verlegt. Die nächsten 24 Stunden waren die schlimmsten, da waren nicht nur die Schmerzen, sondern auch die Angst, ob mein Körper das Gewebe annimmt. Bei meiner Bettnachbarin wurde am Freitag das Eigengewebe entfernt und mit Silikon ersetzt.

Die ersten Tage und Wochen nach der OP hatte ich immer Angst, dass noch Komplikationen auftreten könnten. Heute nach über drei Monaten bin ich stolz auf mich, dass ich diesen Schritt doch noch gewagt habe. Meine Brust ist zwar noch an der rechten Außenseite hart, aber in XX teilte man mir mit, dass das seine Zeit braucht.

Bericht 9:

Patientenbericht vom 04.04.2008

An einem späten Freitag Abend im August 2005 bemerkte ich beim Eincremen einen Knoten in der linken Brust; eigentlich war es eher eine strangförmige Verhärtung, die sogar sichtbar wurde, wenn ich die Arme hochnahm.

Ich stand 1000 Ängste aus, bis ich montags mit meinem Frauenarzt sprechen konnte. Er schickte mich sofort zur Mammographie, beruhigte mich aber, weil im Ultraschall nichts zu erkennen war und auch die längliche Form nicht tumortypisch sei.

Bis dahin war ich regelmäßig bei der Krebsvorsorge, bekam auch eine Überweisung zur Mammographie, die ich aber nicht in Anspruch nahm. Ich wähnte mich auf der sicheren Seite, weil bei uns in der Familie noch nie Brustkrebs vorgekommen ist, außerdem habe ich meine 5 Töchter alle gestillt, ebenfalls war ich damals erst 45 Jahre alt.

Der Radiologe nahm sich für das anschließende Gespräch viel Zeit, sprach auch von der Möglichkeit eines Brustwiederaufbaus nach der Operation und empfahl die Abteilung von Prof. Eiermann in der Rotkreuz-Klinik. Den radiologischen Bericht wollte ich gleich bei meinem Hausarzt vor Praxisende abgeben, fuhr etwas zu flott nach Hause und wurde prompt geblitzt.

Für die anschließenden Untersuchungen und die OP empfahl mein Hausarzt auf jeden Fall eine Uniklinik, z. B. rechts der Isar. Ich war froh, dass er alles in die Wege leitete und ich mich um nichts kümmern musste.

Bei der Vakuum-Biopsie im Mammazentrum XX wurde ein sehr ausgedehntes DCIS festgestellt.

Mein Mann begleitete mich zu dem Gespräch. Uns wurde mitgeteilt, dass eine brusterhaltende OP in diesem Fall leider nicht möglich sei, dass aber mit Wiederaufbau vom Bauch sehr natürlich Ergebnisse erzielt werden können. Ich war kopflos vor Angst und wollte, dass der Tumor so schnell wie möglich operiert wird.

Bis zu dieser Zeit arbeitete ich normal weiter in meinem Beruf als Alleinköchin in einer Metzgerei, die außer Imbiss auch warmes Mittagessen anbietet und die vier Kindergärten des Ortes mit warmen Mahlzeiten beliefert. Ich konnte noch meine Krankheitsvertretung einarbeiten und dann war auch schon am 20. September 2005 Krankenhaustermin.

Ich hatte mich entschlossen, nach der Brustabnahme irgendwann an Wiederaufbau zu denken, schön der Reihe nach.

Im Brustzentrum in XX wurde ich gedrängt, gleichzeitig mit der OP die Brust wieder aufzubauen, „weil es doch ungeschickt und dumm sei“, darauf zu verzichten und man nach dem Aufwachen seine Brust noch genauso habe, wie vorher.

Geplant war die Einlage eines Implantates unter den Brustmuskel. Nach meiner Zustimmung meinte der Arzt, dass meine Brust noch ziemlich groß sei (BH-Gr. D) und das Ergebnis schöner wäre, wenn man zusätzlich zum Implantat Eigengewebe vom Rücken zum Aufbau verwenden würde. Auf meinen vorsichtigen Einwand hin, ob man das nicht vom Bauch nehmen könne, wurde ich kurz abgefertigt, dass das bei mir nicht möglich sei. (Ich hatte 7 Monate vorher eine Blinddarm-OP mit 3 kleinen Bauchschnitten).

Vor einer möglichen Bluttransfusion mit den bekannten Risiken hatte ich Angst. Der Arzt versprach mir, mich in eine Studie für ein neues Medikament mit hineinzunehmen, um eine Transfusion zu vermeiden.

Das Aufklärungsgespräch übernahm eine Ärztin. Ich wollte gern wissen, ob ich danach wieder alles machen kann. Die Gegenfrage lautete: „Sind Sie Profi-Basketballspielerin“? Ansonsten würde es keine Probleme geben.

Am nächsten Vormittag hatte ich frei, in der nahegelegenen Buchhandlung kaufte ich alles auf, was mit Brustkrebs zu tun hatte, ich wollte einfach möglichst viel Informationen. Nachmittags erfolgten noch Untersuchungen zur OP-Vorbereitung und am 22. September 2005 war es so weit.

Es erfolgte eine subcutane Mastektomie links, Sentinel-Lymphknoten-Biopsie, Simultan-Rekonstruktion mit endoskopisch gehobenem, gestielten Latissimus dorsi Lappen und Einlage eines Implantates zwischen Brust und Rückenmuskel.

Es war weder in den fünf entfernten Lymphknoten noch im Außensaum des Drüsenkörpers Tumorgewebe, doch war ich nicht im Mindesten auf die Schmerzen und Probleme vorbereitet, die seitdem mein Leben bestimmen. Außerdem waren doch zwei Transfusionen mit Fremdblut notwendig.

Beim Katheterwechsel erzählte mir der Assistenzarzt- wahrscheinlich um mich abzulenken – dass der Rückenmuskel so straff war, dass man ihn zu zweit in die Brust ziehen musste.

Dort freundete ich mich mit meiner Zimmernachbarin an und der Kontakt riss nicht ab bis zu ihrem Tod im Juni 2006.

Am 5. Oktober wurde ich entlassen. Ich war so schwach, dass ich nicht mal eine gekochte Kartoffel hätte schälen können.

Zwei Tage später erhielt ich vom Krankenhaus einen Anruf, dass nach Absprache im interdisziplinären Mammaboard keine weitere Therapie empfohlen wurde, d. h. keine Chemotherapie, keine Bestrahlung, keine Medikamente. pTis (DCIS), N0 (0/5), SU (0/5), R0, ER 0/12 PR 3/12, HER-2/neu 3+.

Zu dieser Zeit bildete sich am Rücken zweimal eine Flüssigkeitsansammlung, die einmal im Krankenhaus und einmal von meinem Hausarzt punktiert wurde.

Eine Woche später entwickelte sich eine ausgeprägte Wundheilungsstörung im Bereich der Brustwarze und Nähte. Trotz Antibiotika-Behandlung und Desinfektion verschlechterten sich die Wundverhältnisse. Ich verlor die Brustwarze und es bildete sich eine tiefe Wunde, die bis Mitte Dezember täglich versorgt wurde, anfangs im Krankenhaus und später während der AHB. Dort kam ich dann langsam wieder zur Ruhe.

Während dieser schweren Zeit erhielt ich Rückhalt auch von Menschen, die ich teilweise nur vom Sehen kannte, andere, auch Freunde, zogen sich zurück und ließen nichts mehr hören, so hat z. B. meine Schwiegermutter, die im gleichen Haushalt lebt, kein einziges Mal gefragt, wie es mir geht oder einen Gruß ausrichten lassen. Insgesamt ging es mir wieder besser, bis auf die Schmerzen, die bei Bewegung und Belastung stark zunahmen.

Zweimal pro Woche ging ich zur Lymphdrainage und Krankengymnastik, weil sich immer wieder eine Schwellung im Bereich des entnommenen Muskels bildete. Nach einigen Monaten hörte ich mit der Gymnastik auf, weil ich merkte, dass es mir umso schlechter ging, je mehr ich mich anstrengte. Mehrmals war ich noch bei meinem Operateur und erklärte ihm meine Beschwerden, wurde aber vertröstet, dass ich geduldiger sein solle, mit der Zeit würde sich alles geben.

Bei meinem letzten Besuch im Brustzentrum meinte er, er könne sich nicht erklären, wo die Schmerzen herkämen. So zwischen Tür und Angel bot er mir an, den Nerv zu durchtrennen, ich solle gleich einen Termin ausmachen. Ich wollte aber erst mit meinem Hausarzt sprechen, der davon abriet.

Auch der Chefarzt der Abteilung Gyn des Krankenhauses in XX empfahl dringend, dies nicht zu machen (in XX erfolgt der Brustwiederaufbau nur mit Implantaten).

Ich konnte nicht wieder arbeiten bzw. wusste auch nicht, wann dies wieder möglich sei. Meine Chefin wollte, dass ich einen Aufhebungsvertrag unterschreibe und setzte mich ganz schön unter Druck und kündigte mir schließlich trotz meines Schwerbehinderten-Ausweises.

Zufälligerweise kam ich bei der Geburtstagsfeier einer Freundin mit einem netten Ehepaar ins Gespräch, wo der Mann bei einer großen Gewerkschaft ist. Er half mir beim Widerspruch vor dem Arbeitsgericht. Meine Chefin versuchte dann, eine Kündigung über das Integrationsamt zu erreichen. Ich konnte mich aber nicht mit den ständigen Schmerzen arrangieren und bekam zeitgleich – unabhängig voneinander – von zwei Freundinnen den Tip, mit Dr. YY (Fa f. plastische und ästhetische Chirurgie) zu sprechen. Er empfahl, ab September 06 eine Korrektur-OP mit Denervierung des M. latissimus, Mamillen- und Papillenrekonstruktion sowie einen Implantatwechsel (wegen Kapselfibrose Baker III), Korrektur der Implantattasche und Mamma-Umschlagfalte im Brustzentrum in XX in der Abteilung für Plastische Chirurgie druchführen zu lassen.

Also stellte ich mich dort vor. Der Arzt (ein sehr netter, väterlicher Mann) versuchte, mir behutsam zu erklären, dass ich mich mit meiner Situation abfinden solle, weil man da nichts mehr machen könne.

Im Nachhinein kann ich mir das nur so erklären, dass er sich nicht mit der gynäkologischen Abteilung anlegen wollte.

Ich versuchte, irgendwie klar zu kommen, aber es wollte nicht gelingen.

Nach meiner Bitte empfahl Dr. YY die Abteilung von Prof. YY in XX.

Bei Dr. Y (Oberarzt Plast. Chirurgie) hatte ich das Gefühl, dass er meine Beschwerden ernst nimmt. Als erstes wurde eine Kernspintomographie veranlasst, das Ergebnis war ein Verdacht auf Implantatruptur. Daraufhin entschloss ich mich schnell zur OP. Ich war zuversichtlich, weil ich endlich wusste, woher die Schmerzen kommen und man etwas dagegen unternehmen konnte.

Dr. Y operierte mich am 07.11.2006 in der Poliklinik zusammen mit Dr. YX. Die tiefe Hautnarbe von der Wundheilungsstörung wurde berichtigt, die Prothese samt Kapsel entfernt, die erreichbaren Nerven und Verwachsungen gelöst und ein neues Implantat eingelegt. Zusätzlich wurde ein Muttermal an der Ferse, das sich vergrößert hatte, entfernt.

Kurz darauf stimmte das Integrationsamt der Kündigung zum 31.01.07 zu, weil abzusehen wäre, dass ich meinen Beruf nicht mehr ausüben könne.

Auf Anraten meines Hausarztes wurde von der LVA sofort eine REHA genehmigt. Mitte Januar bis Mitte Februar war ich wieder in der XX-Klinik in YYY (Gyn.). Ich fühlte mich dort wohl, auch tat es mir gut, für einige Zeit daheim zu sein. Mein Mann und meine Tochter besuchten mich regelmäßig.

Nach der Reha war ich einmal wöchentlich bei der Lymphdrainage, was ich als sehr angenehm empfand, aber wirklich geändert hat sich an meinen Beschwerden nichts.

Meine sportliche Betätigung beschränkte sich auf Spazierengehen.

Radfahren, Schwimmen, Langlauf war nicht mehr möglich und vor allem meine geliebte Gartenarbeit nur noch sehr eingeschränkt. Meinen Haushalt konnte ich nur mit Hilfe meiner Schwägerin und der Tochter bewältigen.

Als am 01.04.07 das Krankengeld auslief, um das ich so oft gekämpft habe, merkte ich, dass mich meine Ex-Chefin um 2 Wochen betrogen hatte, was mich nach allem überhaupt nicht überraschte. Zu zwei ehemaligen Kollegen habe ich noch Kontakt, wir treffen uns auch mal zum Ratschen.

Ich meldete mich beim Arbeitsamt arbeitslos. Wer das schon mal mitgemacht hat, weiß, wovon ich schreibe.

Zeitgleich stellte ich einen Antrag auf Rente wegen voller Erwerbsminderung. Bei meinen Arbeitsbewerbungen musste ich angeben, dass ich einen Schwerbehindertenausweis (60% G.d.B.) habe und welche Arbeiten ich nicht machen kann. Natürlich war abzusehen, dass mich unter diesen Voraussetzungen niemand einstellen kann und wird.

Mein Hausarzt sprach die Möglichkeiten einer Schmerztherapie an. Mittlerweile konnte ich wegen der Schmerzen nachts nur noch wenige Stunden mit Unterbrechungen schlafen. Auch die Kopfschmerzen wurden ständig häufiger und stärker.

Ich entschied mich für eine teilstationäre Behandlung in der Schmerz-Tagesklinik in XXX bei Dr. YYY (Anästhesist, Schmerztherapeuth).

Als erstes empfahl er Lyrica 50 mg, langsam steigernd auf 100 mg, das als Nebenwirkung die Schmerzgrenze heraufsetzt. Zum ersten Mal seit langer Zeit konnte ich nachts wieder 6 Stunden durchschlafen. Allerdings konnte ich das Medikament nur abends nehmen, weil mir davon schwindlig wurde und ich nicht mehr verkehrstüchtig war.

Von den vielen verschiedenen Therapien hat mich am meisten der Feldenkrais-Unterricht und die Kunsttherapie (Malen mit Aquarell und Ölkreide) angesprochen. Leider führte Nordic Walking immer wieder zu starken Schmerzen, es hätte mir so gefallen, ich habe mir sogar für daheim Stöcke gekauft. Irgendwann werde ich sie wieder benutzen.

Bei der jährlichen Mammographie am 21.08.07 wurde links eine ausgeprägte subcutane Fibrose mit Implantatkompression festgestellt. Die Mikroverkalkung rechts war unverändert zu 2005.

Dr. XXX empfahl einen Implantatwechsel, weil – bei zweimal Pech – könnte es beim dritten Mal gut gehen. Aber eines wusste ich genau, dass so was nicht mehr für mich in Frage kommt.

Am 22.08.07 hatte ich einen Termin zur medizinischen Begutachtung bei der Rentenversicherung in Neuperlach. Ich hatte wieder Einspruch eingelegt wegen der Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung (153 Euro). Als erstes führte sich die Dame vom Empfang furchtbar auf, weil mein Ausweis abgelaufen war. Die untersuchende Ärztin war aber sehr nett, konnte aber überhaupt nicht verstehen, dass ich mir trotz allem nicht so einfach die Brust abnehmen lassen will.

Beim Routine-EKG wurde mir gesagt, dass es so ausschaue, als hätte ich einen Herzinfarkt gehabt, eine Ultraschalluntersuchung sollte dies bestätigen oder widerlegen. Durch die Vernarbungen unter der Haut des linken Brustkorbes konnte man nicht sehen, aber es wäre wahrscheinlich sowieso nichts gewesen und ich wurde heimgeschickt. Mein Vater hatte Jahre vor seinem Tod mehrere schwere Herzinfarkte, außerdem hätte ich durch die Schmerzen, die auch in den linken Arm ausstrahlen, wahrscheinlich nichts bemerkt. Andererseits lebte ich gesund und konnte mir das nicht vorstellen.

Mein Hausarzt musste mich wieder beruhigen und durch ein neues EKG aufzeigen, dass alles Fehlalarm war.

Einen Monat später kam von der LVA ein Brief mit dem Bescheid, dass mein Widerspruch Erfolg hätte, dass aber die Nachzahlung mit den Leistungen des Arbeitsamts verrechnet wird. Wegen meiner langen Babypause und anschließend Teilzeitarbeit (24 Stunden/Woche) beträgt die monatliche Auszahlung 575 Euro bis Juli 2008.

Einmal möchte ich eine Verlängerung beantragen, weil irgendwann im Herbst noch eine OP ansteht (Anpassung und Entfernung von Mikrokalk rechts, evtl. Brustwarzen-Aufbau).

Jeden letzten Freitag im Monat finden in xx Treffen in der Schmerzambulanz statt, zu denen ich gerne runterfahre. Dr. YY empfahl mir, Frau Dr. X (Gyn.) um Rat zu fragen. Leider konnte sie meinen Wunsch nach Brusterhaltung nicht ganz verstehen. Sie schlug vor, die Brust abzunehmen und evtl. in ein bis zwei Jahren wieder aufbauen zu lassen.

Allerdings hörte ich zum ersten Mal von Vogtareuth.

Ich wusste, dass ich unbedingt eine Entscheidung treffen musste, konnte mich aber nicht entschließen, was und wo.

Kurz vor Weihnachten 07 bekam ich von unserer Apothekerin die Adresse von Frau Dr. XX in YY (plast. Chirurgin).

Beim Termin im Januar empfahl Frau Dr. XX dringend, das Implantat zu entfernen und einen Aufbau vom Bauch vorzunehmen oder evtl. die Brust mit Eigenfett aufzuspritzen.

Ich musste mich überhaupt nicht rechtfertigen oder diskutieren, weil ich meine Brust behalten will. Sie lobte Burghausen, Rechts der Isar und Vogtareuth als führend beim Brustaufbau und wollte, dass ich mich bei allen dreien vorstelle. Als erstes war Vogtareuth an der Reihe.

Nach dem Beratungsgespräch in der Ambulanz der Brustklinik wusste ich, dass ich nicht mehr weiter zu suchen brauchte. Ich hatte sofort ein gutes Gefühl, weil alles stimmte. Die OP-Aufklärung, die Möglichkeit einer Eigenblutspende, einfach die ganze Atmosphäre, kein Drängen in eine bestimmte Richtung.

Am 26.03.08 wurde ich kurz nach 7 Uhr in den OP gebracht und von Dr. Busse operiert. Ich hatte überhaupt keine Angst trotz meiner negativen Erfahrungen, eher eine Art Erwartungshaltung.

Um 16:30 Uhr wachte ich wieder auf und verbrachte die Nacht auf der Intensivstation. Die ersten drei Tage waren sehr heftig, die Zeit wollte überhaupt nicht vergehen. Ich konnte überhaupt nicht verstehen, auf was ich mich da eingelassen hatte, aber nun war ich mittendrin, konnte weder vor noch zurück.

Aber dieser Tiefpunkt ging auch vorbei. Und heute – eine gute Woche später – würde ich jederzeit alles wieder genauso auf mich nehmen, um meinem Traum von Schmerzfreiheit und einer natürlichen Brust ein Stück näher zu kommen.

Für mich als typischen Wassermann besteht sowieso keine Gefahr, dass ich bei den Problemen der Vergangenheit hängenbleibe.

Meine Lyrica 100 habe ich nicht mehr eingenommen, da ich im Krankenhaus genug Schmerzmittel bekam. Vielleicht kamen davon die furchtbaren Alpträume über drei Nächte. Aber jetzt geht es mir gut, ich fühle mich frei.

Obwohl ich die letzten zweieinhalb Jahre nicht berufstätig war, fühle ich mich durch den ständigen Kampf nicht erholt und bereit für etwas Neues.

Aber ich bin ruhiger geworden und sehe der Zukunft gelassen entgegen. Ich habe mir fest vorgenommen, viel mehr auf mein Bauchgefühl zu hören.

Bericht 10:

Patientenbericht

Als man mir die linke Brust amputierte, hatte ich zuerst nur den einen Gedanken: „Stoppt den Krebs, egal, wie ich hinterher aussehe“.

Ich dachte nicht über die Konsequenz nach, auf dem Weg im Kampf gegen die Krankheit ein Stück Körper zu verlieren, ich war der Meinung, würde das zu meiner Gesundung beitragen, wäre es egal.

Was ist schon eine Brust, ein Stück Fleisch, nicht mehr jugendlich aufrecht und reizend anzusehen, sondern sowieso schon „in die Jahre“ gekommen, „benutzt“, „abgenutzt“, drei Kinder hatte ich damit genährt, Zweck erfüllt, was soll’s.....

Ich vergaß, dass dieses „Stück Fleisch“ nicht nur ein Stück meines Körpers war, nein, als ich das Krankenhaus verließ, beschlich mich in den folgenden Tagen und Wochen ein beängstigendes Gefühl der Versehrtheit: Man hatte ein Stück von mir „weggeschnitten“!

Einfach weggeschnitten und fortgeschmissen! Ich war nicht mehr komplett! Kein ganzer Mensch mehr!

Natürlich kann man mit Prothesen und vielen anderen Hausmitteln heute auch ganz gut „so“ leben. Ist man bekleidet, fällt nichts auf. Das war also nicht das Problem. Die Problematik spielte sich in meinem Kopf ab!

Froh, der Krankheit die Stirn geboten zu haben, und ihr vorerst entronnen zu sein, bekam ich trotz allen rationalen Denkens das Gefühl, einer Verunstaltung nicht aus meinem Herzen. Ich empfand mich bald als eine Art „Ding“, halb noch Frau und doch nicht mehr, hässlich und monströs. Das Fehlen einer soliden Partnerschaft, das hässliche Gesicht der Chemotherapie, das Stigma der Bestrahlung – mein Leben war gerettet, aber was blieb war ein kranker Geist in einem zerstückelten Körper.

In mir begann sich ein Wunsch zu formen: Ich wollte meine Brust „wiederhaben“!

Durch meinen Gynäkologen erfuhr ich von einer Klinik in Bayern, die für Brustrekonstruktionen prädestiniert sei; zum ersten Mal hörte ich etwas über die Möglichkeit, Eigengewebe zur Neukonstruktion der weiblichen Brust einzusetzen.

Der Gedanke faszinierte mich fast augenblicklich.

Ich beschloss, das Risiko dieser Operation einzugehen. Ein Teil meines Unterbauches sollte sich in eine neue Brust verwandeln.

Und nun?

Ich sitze hier und schreibe dies nieder am Abend vor meiner Entlassung.

Ich war zehn Tage in der Klinik, die Operation ist vorüber, alles gut gelaufen.

Seit Tagen stehe ich im Bad und betrachte mich: Narben sind da. Und Schmerzen. Blaue Flecken.

Doch jedes Mal zaubert sich, ohne zu wollen, ein Lächeln auf mein Spiegelbild, denn ich sehe eine Brust dort an der Stelle, wo vorher ein vernarbter Krater war.

Und ich weiß in diesem Moment sicher:

So werde ich mich wieder annehmen können!

Nicht perfekt, aber komplett!

Und wieder Frau!

Alles fühlt sich echt an!

Und authentisch!

Weil es echt ist!

Ich fühle mein eigenes Fleisch,

meine eigene Haut!

Das Gefühl in meiner Hand ist warm.

Und weich.

Eine weibliche Brust.

„Meine“ Brust.

Ich verlasse diese Klinik nach nur zehn Tagen mit einem Gefühl für mich selbst, einer neuen Akzeptanz meinem Körper gegenüber, einem „ganzen“ Körper, sichtbar, fühlbar, echt! Und mit der Gewissheit dass man ein Schicksal annehmen muss, es aber Hilfe gibt auf dem Weg, mögliche Korrekturen vorzunehmen.

Das Team, Ärzte und Schwestern des Behandlungszentrums Vogtareuth haben dies ermöglicht.

Danke!

Bericht 11:

Ich bin mittlerweile 55 Jahre und habe nachdem mir dieses Forum von Dr. Busse empfohlen wurde, selbst ein Bild über die ganze Thematik Eigenbrustaufbau gemacht. Ich war einerseits überrascht über die unterschiedlichen Geschichten, andererseits konnte ich mich sehr gut in die Lage der Frauen versetzen.

Kurz zu meiner Geschichte:

Das erst mal wurde ich 1995 mit dem Thema Brustkrebs konfrontiert. Es begann mit meiner Mutter, die nach jahrelangem Kampf 2000 verstarb. Da aber 1998 bei mir eine Zyste diagnostiziert wurde, hatte ich keine Ruhe mehr und machte wieder Druck zu einer Mammographie. Aufgrund der Untersuchung wurde mir mitgeteilt, dass etwas vorhanden ist aber nicht zu definieren war. Am 1.8.2000 wurde ich dann brusterhaltend operiert, doch es war leider bösartig.

Es folgte volles Programm in einer Münchner Klinik: Chemo, Bestrahlung ...mit meinem unermüdlichen Lebensmut überstand ich aber alles relativ gut. Es besserte sich in den Jahren. Ich fuhr aber regelmäßig zu meinen Kontrollen nach München bis ins Jahr 2012. Mir wurde mitgeteilt, ich müsste mich nicht mehr bei ihnen vorstellen, ich kann alle weiteren Untersuchungen vor Ort machen lassen. Am 13. Mai 2013 ging ich zu meiner jährlichen Mammographie und es wurde in derselben Brust wieder etwas entdeckt. Relativ schnell bekam ich einen Termin im Klinikum Altöttting. Es gab 2 Optionen, entweder brusterhalend operieren mit Chemo oder Brustamputation. Für mich war sofor klar Brustamputation, da ich einen solchen Horror vor einer weiteren Chemo hatte. Am 22. Mai war es dann soweit, mit der Operation wurde mir ein Expander eingesetzt, da ich mich zu einer Silikonimplantation entschlossen hatte. Es ging alles relativ gut, ich war guter Dinge. Jede Woche wurde mir eine Kochsalzlösung in den Expander gespritzt um die Haut zu dehnen. Als die entsprechende Größe erreicht war, musste ich ein viertel Jahr warten, bis die Operation überhaupt in Frage kam. Bei einer Routineuntersuchung wurde am Brustknochen eine Metastase entdeckt, ich musste regelmäßig zur Infusion, dabei wurde der Heilungsprozess der Brust beobachtet und es stellte sich nach 2 Monaten heraus, dass sich eine Kapselfibrose bildete. Es kam also eine Silikonimplantation nicht mehr in Frage. Ich muss sagen, ich war wirklich in sehr guten ärztlichen Händen. Mein betreuender Arzt setzte sich sofort für einen Termin bei Dr. Busse ein. Mein erster Eindruck von Dr. Busse überzeugte mich sofort, ich fühlte mich bei ihm gut aufgehoben, was in so einer Situation sehr wichtig ist. Er erklärte mir anhand von Bildern alles haargenau was gemacht werden sollte. Am Schluß meines Vorstellungsgespräches ließ er es mir aber noch frei, es mir zu überlegen oder noch andere Meinungen einzuholen, es kam für mich aber nicht mehr in Frage. Ich war überzeugt. Es ging eigentlich nur noch um einen OP-Termin. Am 10. Jan. 2014 war es dann soweit. Ich hatte mich bis dahin soweit auf die Operation eingestellt und bin mit einem ruhigen, man könnte fast sagen entspannten Gefühl zur OP gegangen. Nach 6 Std. OP , als ich dann wach wurde, war alles eigentlich genauso wie Dr. Busse es gesagt hatte (mein Mann sollte nicht gleich nach der OP kommen, da sich die Frauen meistens wie gerädert fühlen, aber bei mir war es anders, eine halbe Stunde nach dem Erwachen telefonierte ich schon mit menem Mann). Ich war mit einer Wärmedecke, die 43 Grad hatte, zugedeckt, mir lief das Wasser am ganzen Körper, aber es musste wegen der Durchblutung sein. Später wurde es dann auf 38 Grad reduziert, was dann schon viel angenehmer war. Ich muss sagen, ich hatte eigentlich fast keine Schmerzen!!! Dr. Busse und Dr. Morakis übernachteten in der Klinik und kamen wirklich alle 3 Stunden zur Kontrolle bei mir vorbei. Auch das Pflegepersonal kontrollierte jede Stunde mit einem Doppler die Durchblutung der wieder angeschlossenen Gefäße. 3 Tage musste ich dann auf der Intensivstation verbringen, wo ich wirklich sehr gut betreut wurde, auch Dr.Busse erkundigte sich regelmäßig nach mir. Ich fühlte mich sehr gut aufgehoben. Am 2. Tag reagierte mein Körper leicht mit Fieber, das aber schnell wieder verschwand. Als ich dann auf der normalen Station war, wurde regelmäßig Wundkontrolle gemacht, ich war immer noch beschwerdefrei (bin es immer noch). Eigentlich sollte ich nach der OP noch 14 Tage stationär bleiben, durfte aber nach 9 Tagen heim. Ich muss sagen, ich habe mir die ganze Operation, die Behandlung, Schmerzen, Wunde .... alles viel schlimmer vorgestellt als es war. Ich bereue diese Operation keine Sekunde und ich würde sie immer wieder machen. Ich kann allen Leserinnen, die unsicher sind oder zweifeln, Mut zu sprechen, machen Sie es. Meine Lebensqualität ist täglich gestiegen, ich fühle mich wieder als Frau. Die Operation ist jetzt 2 Monate her und ich kann mein Leben wieder so gestalten, wie ich es will.

Bei einem Kontrolltermin wünschte ich mir ein gemeinsames Foto von Dr. Busse und mir und ich kann Ihnen sagen, jedesmal wenn ich dieses Bild in den Händen halte, kommt ein Lächeln über mein Gesicht und ich bin dankbar, dass ich Dr. Busse kennenlernen durfte, denn seine Art hat zum positiven Heilungsverlauf beigetragen.

PS: Weitere Berichte werden nach Rücksprache mit den Patientinnen, ob sie mit einer Veröffentlichng einverstanden sind, folgen.

Die Klinik für plastische und Brustchirurgie in Vogtareuth wurde leider zum Oktober 2009 betriebsbedingt geschlossen, eine plastisch- chirurgische Behandlung oder ein Eigengewebsaufbau sind dort seitdem nicht mehr möglich.