Komplikationen

1. Ich habe gehört, dass die Operation nicht immer glückt. Wie häufig kommt es zu Schwierigkeiten?

Es stimmt leider, dass die Operation nicht in allen Fällen glückt. Bei einem Brustaufbau mit Eigengewebe, insbesondere bei frei verpflanztem Eigengewebe, kommt es statistisch in etwa 2-5% der Fälle zu einem vollständigen Absterben des verpflanzten Gewebes. Meist ist eine unzureichende Durchblutung des Lappens die Ursache. Hierbei kann es sich um Probleme des Bluteinstroms (arterielle Durchblutungsprobleme) oder um Probleme des Blutabstromes (venöse Durchblutungsprobleme) handeln. Klinisch äußern sich die Durchblutungsprobleme in einem „Blaß-Werden“ des Lappens (arterielle Durchblutungsprobleme) oder in einem „Blau-Werden“ oder gestaut sein des Lappens (venöse Durchblutungsprobleme). Für Störungen der Blutversorgung gibt es viele Ursachen:

- die Gefäßanastomose, also die Stelle, an der die Blutgefäße des frei verpflanzten Lappens miteinander mikrochirurgisch verbunden wurden, ist nicht durchgängig geblieben nach der Naht

- Es hat sich ein Blutpfropf (Thrombus) in den Gefäßen gebildet.

- Bei der Präparation wurden die feinen Blutgefäße verletzt, überdehnt oder abgerissen

- Die Gefäßinnenhaut ist durch Kalkablagerungen oder ähnliches brüchig und hat sich abgelöst und verlegt den Blutstrom

- Eine Nachblutung drückt auf die Blutgefäße

- Etc.

Es gibt sehr viele Ursachen, die an dieser Stelle nicht alle aufgezählt werden können. Insgesamt muß man leider damit rechnen, dass auch in den besten Zentren etwa 2 von 100 Frauen ohne Brust das Krankenhaus verlassen müssen, da das Gewebe abgestorben ist. Dabei handelt es sich immer um eine große menschliche Tragödie sowohl für die Patientin als auch für den Operateur oder das Pflegepersonal. Es muß Ihnen als Ratsuchende jedoch klar sein, dass diese Methode des Eigengewebsaufbaus technisch sehr aufwändig ist und daher von Komplikationen behaftet ist.

In etwa 10% der Fälle kommt es in den ersten 24h nach der Operation zu einer Komplikation, die den Operateur zwingt, Sie nochmals in den OP zu fahren, da irgendein Problem mit der Durchblutung auftritt, das man durch sofortiges Handeln im Operationssaal beheben muß. In 2/3 dieser Fälle kann man statistisch das Problem lösen, in etwa 1/3 der Fälle muß das verpflanzte Lappengewebe leider abgenommen werden. Bei einem gestielten Lappen (s.o.) ist die Gefahr des vollständigen Absterbens des Lappens geringer, da man die Durchblutung nicht unterbrochen hat. Hier spielen eher Durchblutungsstörungen von Teilen des verpflanzten Gewebes eine klinisch relevante Rolle. Das bedeutet, dass nicht alle Teile des verpflanzten Gewebes gleich gut durchblutet sind und daher sich verhärten oder vollständig absterben.

Welche Probleme sind typisch und wie häufig sind sie?

- Vollständiges Absterben bei frei verpflanzten Lappen: etwa 2-5%

- Revisionen innerhalb der ersten 24h nach der ersten OP: etwa 10%

- Teilnekrosen der verpflanzten Lappen: 10-20%

Was kann man machen, wenn der Brustaufbau nicht funktioniert?

Leider muß man, wenn der Brustaufbau nicht primär funktioniert hat, damit rechnen, dass man zunächst ohne Brust das Krankenhaus verlässt. Das heißt, zusätzlich zu der nach wie vor bestehenden Narbe an der Brustwand hat man die Narbe von der Hebung des Lappengewebes. Es ist in der Regel nicht möglich, im selben Krankenhausaufenthalt nochmals einen Versuch mit einem Eigengewebsaufbau zu versuchen. Meist möchte die Patientin dies auch nicht, da sie von den oftmals mehreren vorangegangenen Operationen geschafft und ausgelaugt ist. Auch ist es leider oftmals nicht möglich, ein Silikonimplantat als Platzhalter zunächst einzusetzen, so dass man ehrlich darauf hinweisen muß, dass man etwa ein Viertel Jahr warten sollte, bis man einen erneuten Versuch mit Eigengewebe oder eine andere Form des Brustaufbaus wählen kann.

Kann ich als Patient etwas dafür tun, dass die Operation möglichst gelingt?

Natürlich können Sie wie bei jeder Operation Ihren Beitrag leisten. Wenn Sie Raucherin sind, sollten sie mindestens 6 Wochen vor der Operation das Rauchen einstellen. Es hilft auch, sich möglichst genau vor der Operation zu informieren, was genau auf einen zu kommt, da Sie so z.B. alle notwendigen Unterlagen zusammenstellen können. Regeln Sie so viele Details wie möglich daheim während der Zeit Ihrer Abwesenheit, denn wenn Sie im Krankenhaus sind, dann benötigen Sie alle Ruhe, um optimal heilen zu können. Und dann haben Sie es sich auch verdient. Bedenken sie, dass Sie nach der Operation für etwa 6 Wochen nicht schwer heben dürfen, so dass Sie für die Rückreise oder die Zeit nach der Entlassung Vorbereitungen für Unterstützung durch Familienangehörige oder Nachbarn regeln. Auch steht Ihnen in Einzelfällen eine Haushaltshilfe seitens der Krankenkasse zur Verfügung. Nehmen Sie vielleicht Kontakt zu Frauen auf, die diese Art der Operation schon hinter sich haben, sie haben oft sehr hilfreiche Tipps, die der Arzt Ihnen so nicht geben kann. Wir versuchen, sofern es möglich ist, im Rahmen des Erstgespräches eine Patientin, die gerade auf unserer Station ist, mit Ihnen in Kontakt zu bringen, damit sie sich von Frau zu Frau austauschen können. Fast immer sind die Frauen hierbei sehr hilfsbereit und beantworten Ihnen gerne Ihre Fragen oder zeigen Ihnen das Resultat. Auch über die Frauenselbsthilfegruppe kann man wertvolle Informationen bekommen.

Wenn es allerdings in den OP geht, dann können Sie selber nichts weiter tun, als darauf zu vertrauen, dass die Ärzte, die Sie behandeln, gewissenhaft und sorgfältig arbeiten. Egal, wie sehr man sich auf eine Operation vorbereitet, es bleibt immer auch ein Faktor übrig, den man nicht beeinflussen kann. In der Medizin behandeln Menschen Menschen und da jeder Mensch anders ist, kann man nie eine Garantie auf den Erfolg einer ärztlichen Tätigkeit geben. Meiner Erfahrung nach funktioniert die Operation am besten, wenn das Bauchgefühl stimmt, wenn Ihre innere Stimme Ihnen eine Gewissheit und Ruhe gibt, dass Sie in diesem Moment die richtige Entscheidung für sich getroffen haben. Wenn Sie Zweifel hegen, dann lassen Sie es Ihren Arzt wissen, wenn Sie noch eine Frage haben, und erscheint sie Ihnen auch noch so unbedeutend, fragen Sie Ihren Arzt. Und ein klein wenig Angst und ein Gottvertrauen in das Gelingen der Sache gehören zu jeder Operation.

5. Kann man nach einem missglückten Eigengewebsaufbau nochmals einen Versuch mit Eigengewebe starten?

Ja, das ist grundsätzlich möglich, wenngleich ein missglückter Eigengewebsaufbau, die Fachleute sprechen von einem partiellen oder totalen Lappenverlust, für alle Beteiligten ein sehr deprimierendes Ereignis ist. Sie als Patientin sind mit so vielen Hoffnungen und Ängsten in die Operation gegangen, haben vielleicht jahrelang die Schmerzen einer Kapselfibrose ertragen, nur zufällig einen Arzt gefunden, der Ihnen von der Möglichkeit des Eigengewebsaufbaus berichtet hat und dann das- Sie verlassen das Krankenhaus ohne die ersehnte Brust. Der Operateur ist frustriert, weil er Ihnen nicht helfen konnte, die gesamte Station enttäuscht, da man trotz aller Pflege nicht das ersehnte Resultat ermöglichen konnte. Ich schreibe dies so eindringlich, weil man als Patientin sich immer vor Augen halten muß, dass ein Eigengewebsaufbau mit einer „Versagensquote“ von etwa 2-5% behaftet ist. Umgekehrt bedeutet es, dass mind. 9 von 10 Frauen mit einer rekonstruierten Brust das Krankenhaus verlassen dürfen. Aber 1 von etwa 20 Frauen ist mit einem Scheitern der Operation konfrontiert. Egal wie gut der Operateur ist, es gibt keine 100%ige Garantie, dass der Eigengewebsaufbau funktioniert.

6. Zahlt die Krankenkasse auch für den Fall, dass die Operation nicht funktioniert hat?

Ja, die Krankenkasse übernimmt die Kosten des Eingriffs, auch wenn er nicht funktioniert hat.