Brustaufbau und Chemotherapie

1. Ich habe eine Chemotherapie bekommen. Kann ich trotzdem einen Eigengewebsaufbau haben?

Ja, das können Sie. Allerdings hat die Erfahrung gezeigt, dass eine nicht lange zurück liegende Chemotherapie die Lappenverlustrate zu erhöhen scheint. Es wurde beobachtet, dass bei einem frei verpflanzten Lappen häufiger Probleme an der mikrochirurgischen Anastomose, also an der Verbindungsstelle, an der die Blutgefäße unter dem Mikroskop miteinander vernäht wurden, Probleme auftraten in Form von Blutgerinnseln (Thrombose), so dass die Durchblutung des Lappens gefährdet war und die Naht nochmals revidiert werden musste. In Einzelfällen kam es auch zu einem völligen Absterben des Lappens. Man erklärt sich diese erhöhte Rate an Komplikationen mit einer gewissen Überempfindlichkeit der Gefäßinnenwand durch die Chemotherapie. Wie gesagt, dies sind Einzelbeobachtungen, eine echte wissenschaftliche Studie zu dieser Frage gibt es weltweit nicht. Die Überempfindlichkeit der Gefäßinnenwand bleibt jedoch nicht dauerhaft bestehen. Nach dem Ende der Chemotherapie sollte einige Monate gewartet werden, bis man einen Brustaufbau mit frei verpflanztem Eigengewebe plant. Wir empfehlen 6 Monate zu warten, danach kann der Eigengewebsaufbau ohne erhöhtes Risiko durchgeführt werden.

Kann man einen Brustaufbau machen lassen, wenn noch eine Chemotherapie direkt im Anschluß an die Operation geplant ist?

Ja, das ist möglich. Da der Lappen ja vor dem Beginn der Chemotherapie operiert wird, gelten nicht die Erfahrungen, wie sie mit Problemen nach durchgeführter Chemotherapie gemacht wurden (s. oben). Allerdings empfehlen wir folgende Überlegung: Da die Chemotherapie umso wirksamer ist, je früher sie nach einer Brustkrebsoperation einsetzt (man empfiehlt, binnen 6 Wochen nach der Brustkrebsoperation zu beginnen), muß man bedenken, dass es bei einer aufwändigen Lappenoperation auch mal zu Wundheilungsstörungen kommen kann, die den Beginn dieser Chemotherapie nach hinten verschieben. Wenn es zu Problemen am Lappen oder zum Beispiel am Unterbauch kommt, kann es in Einzelfällen sein, dass die Heilung dieser Wunde länger als 6 Wochen benötigt und damit der Beginn der Chemotherapie und damit möglicherweise ihre Wirksamkeit vermindert wird. Wenn Sie aufgrund von zusätzlichen Risiken (starkes Übergewicht, starke Raucherin) eine erhöhtes Risiko für postoperative Komplikationen haben, sollten Sie vielleicht den Brustaufbau erst 6 Monate nach Abschluß der Chemotherapie in Erwägung ziehen

Wie lange muß man nach Abschluß einer Chemotherapie etwa warten, bis man einen Brustaufbau durchführen lassen kann?

Wir empfehlen einen Zeitraum von 6 Monaten. Dies stellt allerdings eher einen Erfahrungswert dar, es gibt keine wissenschaftlichen Studien, die diesen Zeitraum genau überprüft haben. Es scheint jedoch so zu sein, dass kurz nach Abschluß der Chemotherapie die Gefahr für Komplikationen mit der Lappendurchblutung oder –einheilung erhöht ist, nach 6 Monaten ist das Risiko wieder so wie bei Frauen, die keine Chemotherapie bekommen haben.

Stimmt es, dass es mehr Probleme mit einem Eigengewebsaufbau gibt, wenn man eine Chemotherapie hatte?

Nein, nicht unbedingt. Dies scheint lediglich für einen Zeitraum von innerhalb von 6 Monaten nach Abschluß der Chemotherapie zu gelten, danach ist das Risiko für Komplikationen nicht erhöht.