a) Brustaufbau und Bestrahlung

1. Ich wurde nach meiner Brustkrebsoperation an der Brustwand nachbestrahlt. Kann man dennoch einen Brustaufbau machen lassen?

Ja, das ist grundsätzlich möglich. Allerdings ist die bestrahlte Haut noch einige Wochen bis Monate (je nach Strahlendosis und Hautbeschaffenheit) noch überempfindlich. Durch die Operation würde bei der Präparation der Haut die Durchblutung beeinträchtigt, so dass die Rate an Wundheilungsstörungen erhöht ist. Etwa 3-6 Monate nach Abschluß der Bestrahlung haben sich die Strahlenfolgen wieder eingependelt, so dass nach 6 Monaten nach Abschluß der Bestrahlung ein Brustaufbau ohne erhöhtes Risiko durchgeführt werden kann.

Bei mir ist eine Nachbestrahlung geplant. Soll ich mit dem Brustaufbau noch warten?

Diese Frage wurde lange und kontrovers unter den Fachleuten diskutiert, eine endgültige Antwort steht immer noch aus. Tatsache ist, dass durch die Bestrahlung die Haut der Brustwand und des Lappens empfindlicher wird, so dass man die Wundheilung nach der Operation (etwa 3 Wochen) abwarten sollte, bevor man mit der Bestrahlung beginnt. Auch ist bekannt, dass sich das Lappengewebe, egal ob gestielt oder frei verpflanzt, durch die Bestrahlung verhärtet bzw. fester wird. An modernen Bestrahlungsgeräten kann jedoch das Bestrahlungsfeld so eingestellt werden, dass die maximale Dosis in das Zielgebiet (meist den ehemaligen Tumorsitz) oder tangential an der Brustwand in der Tiefe oder der Haut an der Oberfläche platziert wird, so dass der Lappen selber relativ wenig Strahlung abbekommt. Die Bestrahlung hat ja den Sinn, im verbliebenen Brustdrüsengewebe oder den Lymphspalten der Haut an der Brustwand oder im Lymphabflußgebiet der Achsel mögliche noch verbliebene Tumorzellen abzutöten. Da der Lappen ja von einer ganz anderen Stelle des Körpers stammte (Unterbauch, Gesäß, Oberschenkel,...), welche nicht aus Brustzellen besteht und auch erst nach Entfernung des Brusttumors an die Brustwand verpflanzt wurde, muß er also nicht dieselbe Dosis wie die ehemalige Brustregion abbekommen. Es ist also zusammengefasst heute mit modernen Bestrahlungsgeräten möglich, die Nachbestrahlung so zu planen und durchzuführen, wie es für die onkologische Sicherheit nötig ist, ohne dabei Kompromisse einzugehen und auch ohne dem Lappen durch die Bestrahlung zu sehr zu schaden.